Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter€, 63
Die Pflichten der Unterthanen ſind doppelter Gattung. Die eine derſelben hat loß ihren Grund in dem perſönlichen Verhältniß, worinn ſie mit der Obrigkeit ſtehen, welches, nach der Verſchiedenheit ihres Standes, bald engere, bald weitere Grenzen hat, Das perſönliche Band, zwiſchen Obrigkeit und Unterthanen, iſt bey den Zeibeigenen und zum Gute eingebohrnen ſtärker, als bey den Zaßen.
Die zweyte Gattung der Pflichten, womit die Unterthanen der Obrigkeit verwandt ſind, entſtehet aus dem Beſiß der ihnen zu ihrer Nahrung überlaßenen Güter, Dieſe Nahrungen, oder Bauergüter, gehören entweder dem Beſißer eigenthümlich, oder es ſind Zagßgäter, woran die Beſißer kein Erb- noch Eigenthumsrecht haben, oder es ſind herr- ſchaftliche GrundſtüXe, welche den Zeibeigenen gegen einen gewiſſen Zins oder Dienſt- leiſtung, überlaßen worden, und deren Beſitzer zu allen Zeiten nac: Gefallen verän- dert werden können.
Von allen dieſen Gütern oder Nahrungen, ſie mögen ſeyn von welcher Art ſie wollen, werden der Obrigkeit entweder gewiße Dienſte geleiſtet, oder ein beſtimmter jähr- licher Zins, e3 ſey.in Gelde oder in Körnern, entrichtet.
Die Dienſte ſind entweder gemeßene oder beſtimmte, oder ungemeßene. Sie werden ferner eingetheilet in Zand- und Geſpann-Dienſte. Jene ſind wiederum entweder Manns- oder Srauen-Dieniiz, und der Unterſcheid der Spanndienſte, iſt nach der Ber- ſchiedenheit der Provinzien, und daſelbſt eingeführten Gewohnheiten, unendlich.
Was für ein weites Feld ſich hier, zur Erörterung der hierinn einſchlagenden Land- wirthſchaftlichen Wahrheiten öfne, und daß daher dieſer Materie in dem gegenwärtigen Werk eine eigne Abhandlung gewidmet werden müſſe, fällt einem jeden von ſelbſt in die Augen.
Was bisher in den vorſtehenden 6, b. geſaget worden, haben wir bloß, um einen allgemeinen Begriff von der Nothwendigkeit, bey den Landgütern die erforderliche Anzahl eingebohrner Unterthanen zu erhalten und deren Verminderung zu verhüten, angeführet, Alles übrige wird, wie ſchon erwehnet, in einem beſondern Hauptſtück abgehandelt werden.
E27 2857 Von der Furicditio Patrimonialis oder dem Gutsbeſitzer zuſtehenden Erbgerichtsbarfeit, und in wie weit ſie von dem Dienſtzwang unterſchieden.
Die zu einem Landgut gehörige Menſchen, machen eine Art von bürgerlicher Ge- ſellſchaft aus, feine bürgerliche Geſellſchaft aber, ſie ſey groß oder klein, kann ohne Rich- ter und Gerichte beſtehen. Die Gerichtsbarfeit über die Einwohner eines Dorfs, iſt der Grundobrigfeit zuſtändig.
Sie iſt eine Fortſeßung derjenigen Gewalt, die ehedem der alte deutſche Adel über ſeine Knechte und Freygelaßenen, nach dem Zeugniß des Tacitus, hatte.
Es iſt ſelbige unter der Benennung der ſarisdiio parrimonialis oder Erbgerichts- barfeit befannt.
Sie hat das Beſondere an ſich, daß ſie nicht mit der Perſon des Richters zu En- jc. gehet, ſonderx dem fundo inhzriret, und alſo auch mit demſelben vererbet oder verfau-
et wird,
Inzwi-


