Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
54
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54 Erſtes Hauptſtück,

vermehren zu helfen, iſt daber eine der wichtigſten Meliorationein, Ein Genießbrau- cher oder andrer zeitiger Beſißer fann, wenn er dergleichen bewirfet hat, die darauf ver- wandte Koſten mit dem größeſten Recht von dem Eigenthümer wiederfordern.

Aus eben dieſem Grunde, mag die Derminderung der eingebohrnen Unter- thanen auf einem Landgut, ebenfalls nicht anders, al3 für eine der größeſten Dete- riorationen, angeſehen werden. Alle diejenigen Beſißer, die von ihrer Verwaltung dem Eigenthümer Rede und Antwort geben müſſen, ſind zum Erſaß des daraus entſte- henden Schadens umſo mehr verbunden, als die Wiederherſtellung des einmahl geſchwä- deten Unterthanenſtandes, eine der ſchwereſten Unternehmungen iſt, ja beynahe zu den moraliſchen. Unmöglichfeiten gehöret. j

5. 74- Wodurch die Landgüter gemeiniglich von Wienſchen entblößet werden, und wie mit den Zauern, um ſie'weder.m Unordnung gerathen zu laßen, noch auch.ihr Weglaufen befürchten zu dürfen, umgegangen werden muße.

So ſchwer es hält, ein von Menſchen und Einwohnern entblößtes Gut wieder herzuſtellen, eben ſo leicht iſt es, ein damit ſonſt reichlich verſehenes Dorf in kurzer Zeit davon zu entblößen.>

Hiezu ſind keine Unglückfälle nothig. Ein einziger böſer, tyranniſcher und-eigen- nüßiger Gutsbeſißer, und wenn er auch nur ein bloßer Pächter wäre, kann hierunter eine weit größere Verheerung, als Peſt und Krieg, anrichten... Im Kriege werden: die Unter- thanen nur auf eine kurze Zeit zerſtreuet, und ſie kehren, ſobald die Gefahr vorbey iſt wieder zu ihrer Heimath zurücf. Selbſt die wütendeſte Peſt reibet nicht alles auf, ſondern läßet noch hie und da einen Stamm zur künftigen'fernern Fortpflanzung übrig. Allein; das tyranniſche Verfahren eines Gutsbeſißers, verjaget und encfernet die Einwohner mit. Weib und Kind auf immerwährend. Es iſt alſo dieſes die gefährlichſte, und am ſchwer- ſten wieder herzuſtellende Verwüſtungsgart der Landgüter. Wenn man auf das, was i gemeinen Leben vorgehet, mit einiger Aufmerkſamkeit Acht hat, ſo wird man noch immer Beyſpiele, die dieſes beſtärken, antreffen.

Ein Dorf voll Bauern zu regieren, erfordert in der That mehrere-Weisheit und Klugheit ,* als man dem Anſchein nach glauben ſollte? Da es hierunter von vielen verſe- hen wird, ſo bringen ſie ſich öfters, auch ohne Vorſaß, um eine, Menge von Unterthanen,; die ſie bey beßer genommenen Maagsregeln nicht verlohren haben wurden.

Der Bauer muß, wenn er nicht auf allerhand ihm ſelber und der Herrſchaft ſchäd-

liche Ausſchweifungen verfallen, ſondern ſein von Natur wiederſpenſtiger Sinn gehörig. gebrochen werdenſoll, durch äußern Zwang in Ordnung gehalten werden, und hiezu ſind 7 wiederhohlte und der Sache angemeßene Strafen nöthig. Wer dieſes Geſchlecht dur< bloße Gelindigfeit zu regieren und in Ordnung zu halten denker, der icret gar ſehr! We- der wahre Liebe noch Gehörſam wird er dadurch zuwege bringen, VWielmehr'hak er

. tiichts als Verachtung und Wiederſpepſtigfeit für alle ſeine gütliche Nachſichten zu erwaär- ten. Weny der Bauer nicht muß, ſo rübret er weder 5Zzand noch Fuß iſt ein altes, aber zu-allen Zeiten wahres'Sprüchwort.| WIIRÜGE Der