52 Erſtes Hauptſtü>k.
Jedoch müſſen hiebey weder Hunde gebrauche, noch das Güftchorn geblaſen wer-
den. Auch wird ausdrüctlich erfordert, das ſolches ſchweißig gemachet,. d. i. wirklich'an- geſchoſſen ſeyn müſſe, und alſo das bloße Auffinden deſſelben nicht hinreichend ſey. ; Man verlanget ferner, daß der folgende Jäger ſolches vorher dem Cigenthums- herrn, auf deſſen Grund und Boden er das Recht der Folge ausüben will, vorher anzei- gen, und zu deſſen Beweiſe ein Zeichen, z. E. ſeinen Huth, zurücklaſſen müſſe. Daß dem Grundherrn, zur Verhütung alles hiebey zu beſorgenden Misbrauches, Nachricht davon gegeben werde, iſt der Billigkeit gemäß. Daß aber ſolches, weil der Jäger die Spur des Wildes nicht fahren laſſen, und. er, wenn er allein iſt, keinen zum Anmelden abſchifen kann, nur in wenigen Fälien, als 3. B. bey großen Jagen, vor ver Erlegung des Wildes geſchehen könne, iſt auch offenbar. Jn dergleichen Umſtänden wird es alſo genug ſeyn, wenn die Anzeige nach der Erlegung des Wildes, welches aber bis dahin an dem Ort, wo es erleget worden, liegen bleiben muß, geſchiehet, damit der Eigenthums- herr heraus ſchiffen, und Erfundigung einziehen könne.
Dieſes Recht der Folge hat ehedem wo der Adel noch mehr, als anjetzt, den Jagdübungen ergeben war, zu manchen Thätlichfeiten und daraus entſtandenen Rechtshändeln Gelegenheit gegeben. Und auch nod in unſern Tagen werden die Ge- richtsſtäten von Proceßen dieſer Art nicht ganz frey bleiben, wobey denn die vorbin von dieſer Sache bemerkte allgeweitne Begriffe jederzeit mit LYIutzen werden gebrauchet werden können.
Gi 72% Von der Schon- und Setz- Zeit.'
Wenn die Jagden in nußbaren Stande bleiben ſollen, ſo iſt nöchig, daß man auf Mittel, das Wildpret ſo viel möglich zu erhalten und zu vermehren, bedacht ſeyn müſſe.
Soll aber dieſes geſchehen, ſo muß das Wild, eben ſo wie bey den Fiſchen 6. 50. erwehnet, in ihrer Brut- und Sek-Zeit geſchonet, und in ihrer Fortpflanzung nicht gehin- dert werden.;
Es iſt hiebey nicht bloß auf die gewöhnliche Setßzeit des Wildes zu ſehen, ſon- dern es muß auch demſelben ſo viele Friſt gelaßen werden, daß es ſeine Jungen abſäugen, und in den Stand, ſich ſelber ernähren zu können, ſezen kann. Beobachtet man dieſes nicht, ſondern man wollte das Mutterwild, ſobald es geſeßet hat, wegſchießen oder fan- gen, ſo iſt es eine ganz natürliche Folge, daß die Jungen dadurch zugleich mit verloh- ren gehen.
"7 Obgleich das vorangeführte in der geſunden Vernunft gegründet, und daher einem jeden mit der Jagd beliehenen Eigenthümer, daß das Wild zu vorbemeldeten Endzweck gehörig geſchonet werde, ſelber daran geiegen iſt, ſo würde doch bey der Menge und ver- ſchiedenen Denkungsart der Jagdberechtigten, deßen allgemeine genaue Beobachtung ſchwerlich zu erwarten ſtehen, indem die|ndividua des Wildes, bei ſeinem öſtern Wech- ſeln, von niemanden als ſein wahres und beſtändiges Eigenthum angeſehen werden kön- nen. Wo die bloße Vernunft die Handlungen der Menſchen zu beſtimmen nicht hinrei- <hend iſt, da muß durch öffentliche Geſeke ein äußerer Zwang zu Hülfe kommen.'
In allen Staaten, wo Ordnung herrſchet, iſt daher eine gewiße Schonzeit feſt- geſeßet, binnen welcher niemand einiges Wild zu jagen oder zu ſchießen, bey bn
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