42- Erſtes HauptſtüF.
geſehen werden. Der Eigenthümer kann doch nicht ſeine ganze Mühlengevechtigkeit da- durch verlieren. Genung, daß die Windmühlen unter den gewöhnlichen Mühlarten für die Nachbaren am wenigſten nachtheilig ſind.
Ganz anders verhält ſich die Sache, wenn jemand ſeiyge Windmühle in eine Waſ- fermühle zu verwandeln, ſich einfallen ließe. Wohl ſchwerlich mögte eine dergleichen Umwechſelung, aus denz Zuſammenhange der übrigen Wirthſchaftsumſtände, durch die Nothwendigkeit gerechtfertiget werden können.„Zier würde alſo allerdings der Wider- ſpruch der Yrachbaren in eine genauere Erwägung zu ziehen, und ſol<e Deränderung nur alsdenn, wenn dieſe dadur keinen größern Abgang von Mrablgäſten, als vorbin, zu befürchten hätten, zu verſtatten ſeyn. Der Fall iſt ſelten, inzwiſchen dem zu unſern Tagen herrſchenden Eigennuß, bleibet, ſo ſeltſam es auch ſeyn mag, nichts ohnmöglich.
9. 59- Von der Beſtimmung der Zöhe des Waſſers bey den Waſſermühlen.
Durch die Erbauung neuer Mühlen, muß nicht allein den ältern Mühlenberech- tigten kein Nachtheil erwachſen, ſondern auch überhaupt aller Schaden, der ſonſt für das Eigenthum eines Dritten daraus entſtehen fönnte, ſorgfältig vermieden werden.
Bey Anlegung der Waßermühlen an gemeinſchaftlichen Ströhmen und Flüſſen, pfleger die übermäßige Anſpannung des Waſſers zu allerhand Streitigfeiten, ſowohl mit den: angränzenden Nachbaren, als auch den, an eben demſelben Strohm liegenden Ober- müllern, Anlaß zu geben.
Wird. das Waſſer zu hoch angeſpannet, ſo iſt es ganz natürlich, daß die, an dem die Mühle treibenden Gewäßer nahe anliegende Aecker und Wieſen, öftes zur Unzeit über- ſchwemmet zu werden, Gefahr laufen. Auch wird durch das ailzuſtarfe Aufhalten des Waſſers, ſo von dem Untermüller geſchiehet, der Obermüller, durch den. dadurch entſte- henden Wiederwog, nicht ſelten awdem Gebrauch ſeiner Mühle gehindert..- Eben ſo kann auch der Dbermüller, dem Untermülier durch allzulanges Zurückhalten des Waſſers, vie- Jen Schaden verurſachen.;
So wenig die Schäfer Futter genung bekommen können, ſo wenig können auch die Müller genug an Waſſer haben. Dieſe beyde Arten von Leuten ſind ſich. hierinn: voll- fommen ähnlich, Es iſt daher nöchig geweſen, ihnen hierunter Ziel und Maas zu ſeßen, und dadurch die Gelegenheit, ihrem Nächſten Sdaden zuzuſügen, zu benehmen.
Zu ſolchem Ende iſt der Sa<baum und 7ablpfabl eingeführet. Was beydes ſey, fann in des ſeel. Hrn. Prof. Polack Marheli forenli IV. Abth..2 Kap. 6. 39. und 66 mit mehrern nachgeſehen werden. Ihr Endzweck iſt, die Höhe des Waſſers, wie es der Müller zu halten befugt iſt, zu beſtimmen. Die eigenmächtige Verrüung des Fachbay- mes, iſt unter den Müllern eine ehrloſe Handlung.
Sowohl bey Anlegung neuax Mühlen, als auch Wiederaufbauung der alten„iſt die richtige Legung des Fachbaumes das vornehmſte Stüc, worauf alles anfommt. Wenn Streit darüber entſtehet, pflegen die benachbarten Mülker, weil es eine Sache iſt, die von Sachverſtändigen am beſten beuytheilet werden Fann, dazu gezogen zu werdet,
Da es ſich öfters zuträget, daß bey ſtarken RNegen- und Walſſergüſſen das Waſſer übermäßig anſchwillet, oder auch wegen Mangel der Mahlgäſte das zufließende wrde
nicht


