Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
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Pon den allgemeinen Begriffen, die ein Richter 1 37

hum nnr einen ſehr geringen Antheil, Für ihre Fortpflanzung und Erhaltung müßen dieſe Waßerburger ſelber ſorgen.?

Es iſt daher eine ganz natürliche Folge, daß, wenn dergleichen wilde Fiſchereyenw in gehörigen Stande erhalten werden ſollen, ihre Brut und Jugend geſchonet werden muß ſen. Geſchiehet dieſes nicht, ſo werden auch die reichſten und größeſten Waßer gar bald arm werden.:

Ein: Gutsbeſißer, der ſeine Gewäßer ſelber und allein befiſchet, auch das volle Ei- genthum davon hat, wird ſchon.zur Erhaltung ſeiner Fiſcherey alle nöthige Anſtallten vor- zufehren wiſſen. Allein es giebet Fälle, wo die Fiſchereyen entweder verpachtet, oder mehrern zugehören, oder unter dem Genießbrauch ſtehen. Ein ſchändlicher"Eigennuß pfleget in dergleichen Umſtänden alle vernünftige und wirthſchaftliche Erhaltungs- Regeln bey Seite zu ſeßeu, und nur bloß auf den gegenwärtigen Nußen zu ſehen,

j Eine jede Gattung von Fiſchen hat ihre gewiße in der Natur beſtimmte Zeit, wor- inn ſie laichet oder ihre Beut ſeßet: Sie nähern ſich alsdeun nicht allein den Ufern, fön- dern einige Arten, wohin inſonderheit die Bleie und Murenen gehören, verſammlen ſich auch au gewißen ihnen bequemen Orten in der größeſten Menge, und können alſo in der Laichzeit am bequemſten und häufigſten gefangen werden. Cin Beſißer, dem an der Er- haltung des Tigenthams entweder ganz und gar nicht, oder doch'nur zum Theil, gelegen iſt, bedienet ſich nur gar zu Ferne einer ſolchen günſtigen Gelegenheit, feinen Beutel mit Un- recht zu ſpicken.

An der Erhaltung der Fiſcherey aber iſt nicht allein einem jeden Eigenthümer, ſondern auch dem ganzen Staat, wegen der allgemeinen Conſumtion gelegen. Da es nun die Vernunft giebet; daß day wo die Fiſche in ihrer Setz- und Brutzeit beſtändig ge- ſtöhret werden, die Fiſcherey zuletzt voy ſelber aufhören müße, ſo iſt es ein aus der YTatur dev Säche folgender Satz, daß. alle Pächter, WMitfiſcher und Genießbraucher zur Laichzeit zu fiſchen nicht berechtiget, ſondern, wenn ſie ſoiches gethbanzy zur Erfe- 331ng des verurſachten Schadens verbunden ſind.

Auch mag ein Pächter, wenn gleich in ſeinem Contract die Laichzeit zu ſchonen nicht ausdrü&lich vorbedungen wäre, ſich dennoch dieſes Rechts nicht anmaßen, weit ailes» wodurch die verpachtete Pertinenzſtü&e zu Grunde geben, ſchon von ſelbſt un- erlaubet und verboten iſt.

Ob die Fiſche in dem Laichen geſtöret werden, oder die von ihnen geſeßbte Brut nachher auf andre Weiſe verdorben wird, ſolches iſt in Anſehung. des Erfolgs einerley, Daß die Enten die gefährlichſten Feinde einer ſolchen erſt friſch geſeßten Fiſchbrut, die in den erſten Tagen. wie ein dicker Schleim auf dem Waſſer ſhwimmet, ſind, iſt einem jeden Landwirch aus der Erfahrung bekannt. Hieraus entſtehet das ſo billige geſeßmäßige Her- Fommen, daß an dergleichen mit fiſchbaren Bewäßern verſehenen Orten keinem Dorfs- einwohner Enter zu halten vergönvnet iſt. Und da dieſes eine allgemeine Uvſache zum Grunde hat, ſo it ſolches Verbot nicht bloß auf die Bauern und Unterthanen einzu- ſchränken, ſondern ein jeder Dorfseinwobner- und wenn es auch der Prieſter ſelbſt

wäres demſelben unterworfen. E 3 S- 51.

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