34 Erſtes Hauptſtück,
verbleiben, damit ſich keine Raubfiſche, vornehmlich Hechte, darinn verheelen mögen, wel“ Nn. ſonſt, beſonders unter dem zweyjährigen Saamen, eine entſeßliche Verwüſtung an- richten..; j Wenn der auf ſolche Art angezogene Karpfenſaamen das dritte Jahr zurücgeleget, fo wird er al8denn in die Wachsteiche geſebet. Dieſe ſind gleichſam ihr Maſtſtall, in wel- chen ſie zum Gebrauch und Verfauf angefüttert werden. Es iſt daher eine natürliche Folge, daß hiezu diejenige Teiche, die den fetteſten und nahrhafteſten Boden haben, ge- wählet werden müſſen. Denn die Karpfen-in einem fetten Teiche zu erziehen, in einem magern aber anmäſten zu wollen, wäre ein verfehrtes Verfahren, dem die Vernunft ſelber widerſpricht.) Sämmtliche, inſonderheit Strich- und Stre&Xteiche, werden des Herbſtes ausge- fiſchert, und es ſind daher bequeme ut:d ſichere Behältniße nöchig, in welchen die Fiſche den Winter über bis zum Frühjahr, alsdenn ſie wiederum eine jede Gattung nach ihrer Art ausgeſeßet werden, aufbehalten werden können. Dieſe Behältniße nennet man Zelz ker, welche kleine; ausgebohlte und mit friſchen Waßer verſehene Teiche ſind. Sie müßen ſo viele Abrheilungen: haben, als man verſchiedene Gattungen von Karpfen hat.
S2 107% Von den. Ligenſchaften guter Teiche, und wie ſtark ſolche beſerzet werden können.
Bey der Beurtheilung der Teiche, ob ſie guf und zur Karpfenzucht tauglich, hat man EE auf drey Dinge, die Lage, den Boden und das Waſer ſcin Augenmerk zu richten. j; Nusbare Teiche müßen in Anſehung der Lage den gehörigen Fall haben, damit das Waßer rein abgelaßen werden könne, worauf, wie ſchon vorher erinnert worden, be- ſonders bey den Strich- und Streckteichen zu ſehen iſt. Sie müßen auch dergeſtallt gele- gen ſeyn, daß ſie zu: alen Zeiten von der wärmenden und alles belebenden Sonne getrof- fen werden. Bey den Strichteichen iſt ſolches nothwendig, bey allen andern“ aber yüß» lich. Die Karpfe liebet unter allen Fiſcharten vorzüglich die Sonne, welches man an ihrem Stand wahrnehmen kann. Die in den Wäldern liegende Teiche ſind daher, weil ſie zu viel Schatten haben, nicht die beſtem.
In einem magern und ſandigen Boden wird die Karpfenzucht und deren Wachs- thum nur ſchr mäßig ſeyn. Von Teichäſt hingegen, die einen ſtarken und fetten Boden haben, fann man eine reiche'Ausbeute erwarten. Auch machet der Unterſcheid des Bo- dens einen großen Unterſcheid in Anſehung des Ausſaßes. Ein fetter und ſtarker Grund führet mehr Nahrung, als ein magrer und ſandiger) bey ſich."Ganz natürlich iſt es daher, daß Teiche von der erſten Art weit ſtärker, als die von der leßtern, beſeßet werden können.
Jn unſern Gegenden, wo wegen der überflüßigen wilden Fiſcherey die Teichwirth- ſchaft noch nicht in gehörigen Gange iſt, verſiehet man es in Anſehung des Ausſaßes gar ſehr. Man wirft nicht allein Saamen von verſchiedenen Alter durch einander, und loßet wohl gar die Karpfen in den Wachsteichen ſtreichen, welches lauter Pfuſcherey iſt, ſon- dern überſeßet auch die Teiche in Anſehung der Menge dergeſtallt, daß es fette und gute Karpfen zu erwarten unmöglich. Einen Teich, der faum 4 Scho>e nähren kann, findet
man öfters mit 20 und mehrern Schoen beſebet- Beyläufig will ich nur ſo viel erin- nern,


