26 Erſies Hauptſtück,
Ein reicher Anbau von allerhand Gartengewächſen und Futterfräutern iſt, wenn das Vieh. den ganzen Sommer auf den Stall gehalten werden ſoll, unentbehrlich. Die von Alters her in dem Bezirk der Dörfer belegene Gärten ſind hiezu an den wenigſten Or- ten hinreichend. Ein Theil des Feldes muß dabey zu Hülſe genommen werden.;
In einem Dorfe, wo noch alles allen gehörer, und an feine Aufhebung der Ge- meinheiten gedacht, oder ſolche durch ven Widerſpruch der meiſten verhindert worden, „ſind. vielleicht einige vernünftige, die den Nuten der Stallfutterung einſehen, und dieſelbe gerne in Augübung ſeßben mögten.| Sie werden aber aus vorangeführten Urſachen von ihren Nachbaren daran verhindert. Was kann es bey dieſen Umſtänden vor einen Anſtand haben. dieſen vorzüglich induſtrienſen Aerleuten, ſie mogen Zerrſhaften oder Unterthanen ſeyn, einen ihrem Viebſtande verhöltnißmäßigen Platz zur Erzeuy- gung der nöthigen Gartenfrüchte und Zutterfräuter auf ihren A&erſttü&en frey zu'ge- :ben, und den Ueberreſt der Gemeine allenfalls zu deſſen Schonung gerichtlich anzuhal- . ten? Soll des Königes Wille nicht in einen bloſſen frommen Wunſch verwandelt, ſondern in der That zur Wirklichfeit gebracht werden, ſo iſt dieſes der einzige Weg dazu. Den gemeinen Landmann bloß durch Ueberzeugung zu einer neuen Wirthſchaftseinrichtung zu bringen, iſt eine vergebne Sache. Es müßen dergleichen nene Dinge erſt zu einer'alige- meinen Laudesgewohnheit geworden ſeyn, ehe ſich der an dem alten Herfommen ſo feſt Xlebende Bauer aus freyem Willen dazu verſtehet. Auch ſtehet es bey einem jeden, ob er ſich dieſes Rechts gleichfalls heilhaftig machen will, Folglich geſchiehet dadurd) nie- manden, als nur denjenigen, die ſich ſolches durch ihre eigne Widerſpenſtigfeit und- Ei- genſinn zuziehen, zu nahe,
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Von. den ſogenannten Achterhöfen, unter welchen Bedingungen ſolche zum Gartenbau und Erzeugung der Futterfräuter frey gegeben werden können.
Zur Erzeugung der zur Stallfutterung nöthigen Gartenfrüchte und Futterkräuter ſind die ſogenannte Achterhöfe wegen ihrer Nähe die bequemſten, indem fie gleich hinter die Gärten oder Bauerhöfe zu liegen pflegen,'
Heber dieſe Achterhöfe gehen gemeiniglich die Schaäftriften, und ſind daher durch den beſtändigen Dung der Schafe zu obigen Endzweck, wenn anders der Grund derſelbew vo;3 der erforderlichen Güte iſt, deſto geſchickter gemacht worden.
Dieſe Pläße dürfen aber, nach dem bisherigen Herkommen, weil es mit zur Schäfereygerechtigfeit gehöret, von keinem Einwohner ohne ausdrückliche Erlaubniß der Grundobrigfeit eingezäunet, und zu einem andern Gebrauch beſtimmet werden. Jh ha- be auch ſelber 8. 13. behaupter; daß bey den neuen Einrichtungen alles dasjenige, wo- durch der Schafſtand-geſchwächet werden könnte, ſorgfaltig vermieden werden müſſe.
Allein: bey einer klugen Ueberlegung finden ſich immer Mittel, dergleichen dent Anſchein nach widereinander laufende Dinge zu vereinigen, und beydes möglich zu machen, ian überlaſſe den Einwohnern ihre Achterhöfe zum Anbau der nötbigen Futterkräu- ter und SGariengewähſe, und. gebe hingegen den Schafen. auf den Stamm- Enden der daran anihieſerden zufen oder andern A&erſiüFe die dadur% verlohrne Trift wie: der.. Auf ſolche Art wird die Stallfutterung befördert, ohne daß der Schäferey ein Ab-
bruch geſhehe,( 6.37»


