22 Erſtes Hauptſtü>.
H.- 302. Von den Landgaärten, in ſo weit ſie eine Hak Kinnahme, auſſer der wirtbhſchaftlichen ; 7 4Tothdurft, gewähren.
Die baare Einnahme eines Landguthes zu vermehren, iſt und bleibet jederzeit die Hauptabſicht eines jeden Guthsbeſibers. Warum ſollte ſolches nicht auch in Anſehung des Gartenbaues ſtatt finden? Wo es der Plaß, die Güte des Bodens und andre Wirth- ſchafts-Umſtände mehr erlauben, daß der Gartenbau dergeſtalt ausgedehnet werden kann, daß, auſſer den zur Wirthſchaft nöthigen Früchten, noch eine Menge derſelben zum Ver- kauf übrig bleibet, da iſt der ſtärkere Anbau derſelben, ein nach allen Regeln der Ver- * nünft wirchſchaftliches Verfahren. Ja, es wird ſolches um ſo mehr gerechtſertiget, wenn man in Erwägung ziehet, daß, da doh ſchon zu den blos wirthſchaftlichen Gärten ein eigner Gärtner gehalten werden muß, der zum Verkauf gezeugte Ueberfluß deſto wenigere Ko'Fen verurſache. Auf die Beſtellung der blos zur Wirthſchaft erforderlichen Gärten, wäre öfters einen eigenen Gärtner zu halten nicht wichtig gemitig, wenn man dabey nicht zugleich auf eine baare Einnahme von dieſem Wirchſchaftstheil ſein Abſehen richten wollte.;
Die aus dem Gartenbau zu erwartende baare Einnahme und Nußen iſt, nach der verſchiedenen Lage der Landgüther, und dem daraus entſtehenden verſchiedenen Abſaß derſelben, auch an und für ſich ſehr verſchieden. Iſt ein Landgurh nahe bey. einer groſſen aind volfreichen Stadt belegen, ſo kann der Gartenbau nicht hoch genung getrieben wer- den, indem man in einer ſolchen Lage niemahl wegen einer genungſamen Anwehr der er- zeugten Früchte beſorget ſeyn darf, ſondern alles, auch öfters die geringſten Kleinigkeiten, zu allen Zeiten, abſeßen, und ſich eine baare Einnahme dadurch verſchaffen kann. Die bey Berlin belegene Landgücher mögen hievon einen Beweis abgeben.
- In den entlegenen Provinzien kann freylich die Gartennußung nicht ſo hoch ge- frieben werden. Junzwiſchen wird eine vernünftige Induſtrie die Sache doch allemahl ſo einzurichten wiſſen, daß auch hier noch immer unter der baaren Einnahme etwas in Rech- nung fommen wird. Sind gleich die frühe grüne Erbſen, Spargel, Selleri, Zuckerwur- zeln, und andere dergleichen feinere Gartenfrüchte, in ſolchen entlegenen Gegenden nicht ins Geld zu ſeßen, ſo wird dem ohngeachtet ein reicher Anbau von Erdtoffeln, Wrucken oder Kohlrüben, Weiskraur und dergleichen mehr, den baaren Ertrag auf eine nicht zu ver- werfende Art vermehren können. UNN
> In Anſehung der Obſtgärten hat es gleiche Bewandtniß. Es iſt allerdings eint groſſer Vortheil, wenn das darinn gewonnene Obſt in den nahe belegenen völkreichen Städten friſch und grün verfaufet werden Fann. Viele Koſten, Holz und andere Unbe- quemlichfeiten werden dabey erſparet, Inzwiſchen iſt es auch in entfernten Gegenden je- derzeit nußbar. Es kann ſolches zu Muß gekochet oder gebacken, und auf ſolche Weiſe his zu einer Zeit, wo an Obſt Mangel iſt, ganz bequem aufbehalten, und alsdenn deſto eheurer verfaufet werden.
Ein ſolcher nutzbarer Garten kann wit Recht unter die wahren Veliorationen gerechnet, auch bey öffentlicher Würdigung der Zandgürber zum haaren Ertrage in ei- nen billigen Anſchlag gebracht werden. Jedoch iſt die Lage des Zandguthes, ob es groſſen Städten nahe oder entfernet, dabey yicht auſſer Acht zu laßen.;
WBT,


