Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
21
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Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter c. 21

Fommen haben mögten, ſo iſt dieſer Unterxxicht um ſo nöthiger. Unſer Vorſaß gehet hie- bey Feinesweges auf eine umſtändliche Erzählung alles desjenigen, was zur eigentlichen Gärtnerfunſt, welche wohl beydes in den Städten und auf dem Lande einerley ſeyn mög- fe, gehöret, ſondern nur von den Abſichten der Landgärten, und von der Verbindung, worin ſie mit den übrigen Wirthſchaftstheilen ſtehen müſſen, wollen wir das: Erforderli-

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Von den Landgärten, in ſoweit ſie blos zur Erhaltung der V7enſchen und des Viehes hinreichend ſind.

Die Abſicht der Landgärten aber iſt nach der Verbindung, worinn ſie mit den übri- gen Wirchſchaftstheilen ſtehen, zweyfach.

Einmahl müſſen ſie dasjenige, was zur Speiſung und beſſern Erhaltung des Ge- ſindes nöchig iſt, liefern. Jmmer zum Mehl- und Grüßſack zu gehen, und ſein Geſinde blos vom Kornboden zu nähren, iſt auf dem Lande ſehr koſtbar, und würde die baare Ein- nahme der Hauptwirthſchafts- Rubrik, nehmlich des Getreides, ungemein ſchwächen. Ein Vorrath von allerhand Obſt, ſo wohl friſch als gebacken, Kraut, Kohl, Erdtoffel, gelbe und weiſſe Rüben und d. g. m. ſind das geſundeſte und zum Theil auch angenehmſte Zugemüſe für den durch Arbeit ermatteten Aersmann, wodurch die Schürtboden gar ſehr verſchonet werden. Und wie viel? tauſend Scheffel Korn werden nicht jährlich nur allein durch den nie genung anzupreiſenden Erdtoffelbau in einem Lande erſparet!

Nicht allein die Menſchen, ſondern auch verſchiedene Vieharten, haben auf denr Lande ihre vornehmſte Speiſe und Futter aus einem vernünftigen Gartenbau zu erwarten. Das unreife und für Menſchen unbrauchbare Obſt, das Kraut und die Abgänge von al- lem Warzelwerk, ja die Wurzeln und Erdtoffeln ſelber, ſind für Kühe und Schweine eine ſehr nahrhafte Futterung, und nzr da, wo man dieſes alles in reichen Ueberfluß zeuget, kriſt man einen recht blühenden Viehſtand an. Beſonders iſt ſolches an denen Orten von einem groſſen Nußen und faſt unentbehrlichen Nothwendigfeit, wo die ſo vortheilhafte Stall- und Brähfutterung eingeführet iſt.

In ſo weit alſo die bey einem Landguth vorhandene Gärten zur reichlichen Zeu- gung der für Menſchen und Vieh, nöchigen Ober- und Unterfrüchte hinreichend ſind, ſtehen dieſelben mit den übrigen Wirthſchaftstheilen in einem richtigen Verhältniß, und es kann, im engen Verſtande genommen, von dem Gartenbau auf dem Lande eigentlich nicht mehr verlanget werden.

xvenn aber dasjenige, ſo Menſchen und Vieb zu ihrer iTahrung genieſſen, diebaare Einnahme nicht vermehren kann, zumabl die Abynzung des letztern ſ<on un- ter einer beſondern Rubrik gerechnet wird, ſo folget auch von ſelbſt, daß die blos nur zur Beſtreitung der Wirthſchaft hinlängliche Gärten bey Würdigung der Gütbhber, ſie mag zur Theilung, Verkauf oder Pacht veranlaſſet feyn, in keinen Anſchlag gebracht werden können. Jnzwiſchen muß deshalb auf die ſonſt gewöhnliche Brodterei des Geſindes, auch eine billige&ſicht genommen, und ſolHe bey einem reichlichen Vebverfiuß der Gartenfrüchte gemäßiget, und näher eingeſchränfet werden.

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