57+ Erſtes HauptſiüF,
Ob der Derluſt in Dingen geſchehen, deren Erſa; der Pächter dur< die Ab- nurzung ſchon vorhin erhalten, oder künftig zu erhalten Zofnung hat, weshalb bey dem Viehſterben unter dem Zug- und nußbaren Vieh ein groſſer Unterſcheid zu machen iſt.
Alles dieſes ſind Aufgaben, deren Unterſychung die Aufmerkſamkeit eines Richters beſchäftigen muß, wenn dergleichen Bonificationsfälle richtig beſtimmet u1nd entſchieden werden ſollen..
Zwar pfleget in den meiſten Pacht-Contracten die Vergütigung der Unglücksfälle verabredet und veſtigeſeßet zu ſeyn. Allein dieſes iſt gemeiniglich viel zu allgemein und enbeſtimmt, daß man daraus alle Vorfälle, deren Verſchiedenheit unendlich iſt, ermeſ- ſen könnte. Es bleiben daher einem Richter noch immer genugſame Bewegungs- Urſa- <en übrig, ſich mit den hiezu erforderlichen landwirthſchaftlichen Wahrheiten. bekannt zu machen, zumahl es, wie ſchon oben erwähnet worden, auch auſſer den Pachtungen, noch verſchiedene andere aus den Unglücksfällen entſtehende Boniſications-Streitigfeiten giebet.
67.128.
Von dem Gartenbau überhaupt.
Da das Ganze der Landwirthſchaft nicht blos aus dem Ackerbau, obgleich derſel- be an den meiſten Orten, wegen ſeiner Verbindung mit dem Viehſtande, die Hauptſache aus- zumachen pfleget, ſondern auch aus verſchiedenen andern nußbaren Theilen beſtehet, und die- fe gleichmäßig bey verſchiedenen Gelegenheiten mancherley Stof zu Rechtsſtreiten liefern: ſo ſind ſelbige nicht zu übergehen, ſondern auch hier dasjenige, was ein Richter davon zu wiſſen nöchig hat, anzumerfen.|:?
Der Menſch lebet nicht allein. vom Brod, ſondern alle Arten von Gartenfrüch- ten dienen dem Landwirth und ſeinen Leuten zu einer ſättigenden und erquickenden Nah- rung. Ja der Ueberfluß derſelben, kann öfters eine anſehnliche baare Einnahme zu- wege bringen. Auch ſelbſt dasjenige, was nur das bloße Auge ergößet, und an den meiſten Orten für unnüß und überflüßig angeſehen werden-muß, Fann den- noch unter gewiſſen Umſtänden einen wahren Nußen verſchaffen. Der Gartenbau iſt es, der alle dieſe Dinge liefert, und wovon ein Landwirth, wenn er denſelben mit einem ver- nünfeigen Unterſcheid treiber, öfters wichtige Vortheile zu erwarten hat.
- Luſt- Obſt- und Küchengärten, ſind der dreyfache Gegenſtand des Gartenbaues. Wag bey einem jeden derſelben zu unſerm Endzweck dienlich iſt, wollen wir kürzlich anmevr- fen, und nur ſo viel voraus erinnern, daß einem Richter die Renytniß dieſer Wirth- ſchaftsmaterie hauptſächlich bey gerichtlichen Anſchlägen und Beſtimmung der Welio- rationen und Deteriorationen zu ſtatten komme.
Vielleicht wird manchen dieſer Unterricht überflüßig ſcheinen, da die mehreſten Richter in den Städten ſelber von dem, was zum Gartenbau gehöret, einen hinlänglichen Begrif zu erlangen Gelegenheit haben. Allein, es iſt ein gar groſſer Unterſchied zwiſchen einem Stadt- und Landgarten. Dieſe müſſen aus'eineim ganz andern Geſichtspunct, als jene, beurtheilet werden. Und eben deshalb, weil zu beſorgen ſtehet, daßdie in den Städ- ten wohnende-Pfleger der Gerechtigkeit, durch die Bekanntwerdung mit dem ſtädtſchen
Gartenbau, von dem Nuten und Beſchaffenheit der Landgärten unrichtige Begriffe über- ommen
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