Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
16
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16 Erſtes Hauptſtück.

Das Winterfutter mag aber nicht richtiger, als nach der Größe der Feldmark, auf welcher ſolches gewonnen wird, beſtimmer werden, Aus den allgemeinen. Landes- Verzeichniſſen oder Caraſtris, worin die Hufenzahl eines jeden Landguthes bemerket wor-, den, iſt dieſes, beſonders in Anſehung der vorigen Zeiten, mit Gewisheit zu erſehen.=.

Mit Recht iſt es alſo ein dritter Grundſaß, daß bey Beſtimmung des Diehſtan- des die in den Landes- Cataſiris aufgeführte 5Zufenzabl des Predii Dominautis 31m Grunde zu legen ſey 3 welches alles an ſeinem Ort mit mehrern erläutert werden ſoll.

Kie Daß, wegen der nöthigen Düngung, keinem Bauer oder Pächter, wenn auch gleich ſolches in den Contracten nicht vorbedungen worden, Stroh zu verkaufen erlaubet ſep.

Wenn nach dem F. 10 und 11. die Bemiſtung der Aecker eine Hauptſache bey dem ganzen Feldbau iſt, ſo ma auch nicht in Abrede geſtellet werden, daß alles, was daran hinderlich iſt, aus dem Wege zu räumen ſey.

Die Excremenra und der Urin des Viehes, führen zwar nur eigenklich die den Acker düngende Theile bey ſich. Sie haben aber ein Vehiculum nöchig, vermöge deſſas ſie gehörig aufgefangen, mit einander vermiſchet und in die-nöthige Gährung, ohne wel- <e fein Miſt die erforderliche Wirkung thun kann, geſeßet werden. Das beſte und ge- wöhnlichſte iſt das von den Schafen abgefreſſene Roggenſtroh, welches man die Gerte oder Urſche zu nennen pfleget. Ohne einen reichen Borrath von dieſer Einſtreue, kann der Miſt nicht in gehöriger Menge gezeuget werden, und es hilft einem Landwirch die Erhöhung ſeines Viehſtandes wenig, wenn er nicht genung Stroh zum Einſtreuen deſſel- ben hat. Aud hier muß ein richtiges Verhältniß zwiſchen dem Viehſtand und der Ein- ſtreue ſeyn, woferne der Acker in Würden bleiben ſoll.

Pächter und Bauern pflegen, nach ihrer mechaniſchen Denfungsart, da ſie nur immer auf das Gegenwärtige ſehen, und auch den erſten an dem künftigen Erfolg in die- ſer Sache wenig gelegen iſt, einen Theil ihres Strohvorraths zu veräuſſern gar ſehr ge- neigt zu ſeyn. Hiedurch wird aber nicht nur dem Aer der Dünger entzogen, ſondern es gehet auch ein Theil der zur nöthigen Bedachung erforderlichen Materialien verlohren, und es gereichet daher ein dergleichen Strohverkauf zum offenbaren Verderben des gan- zen Guthes.;

Hieraus ergiebet ſich von ſelbſt, daß die Herrſchaften, denen an der Erhaltung der Bauergüther alles in der Welt gelegen iſt, ein wohlgegründetes Recht haben, den Bauern den Strohverfauf gänzlich zu unterſagen.

- Und eben aus dieſem Grunde ſolget auch, daß einem Pächter ſolches eben ſo we- nig erlaubet ſey. Jn den meiſien Pacht- Contracten pflegt zwar dieſes beſonders veſtge- ſest zu ſeyn. Wenn aber auch darinn nichts davon gedacht wäre, ſo iſt dennoch fein Pächter von dem auf dem erpachteten Guth gewonnenen Stroh etwas zu veräuſſern be- fugt. Eines Theils iſt ihm darunter keine Einnahme angeſchlagen, und andern Theils Fann niemanden das Unternehmen einer Sache, wovon des andern Verderben und Unter- gang abhanget, verſtattet werden.* i;

Dieſes wird alſo zur Anweiſung dienen können, wie man in Entſcheidung dergleichen Fälle, auch bey Verpachtung derUnmündigen Güther zu verfahren habe.

j| VG. 24.