Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
12
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12 Erſtes Hauptſtü,

Jnzwiſchen iſt auch bey dieſen die Hütung im Frühjahr höc<ſt nachtheilig. Das

Vieh zertritt die zarten Wurzeln des jungen hervorſproſſenden Graſes, und verhindert den

Wuchs deſſelben ganz augenſcheinlich. Die Erfahrung lehret ſolches in dem Unterſcheide

des Heues, welches auf behüteten oder unbehüteten Wieſen gewonnen wird, auf eine über-

zeugende Weiſe. In den Gegenden an der Neße und Warthe, wo man ſich bey der ge-

enwärtigen neuen Einrichtung auf die gute Wartung des Wieſewachſes beſonders verſte-

Ds iſt daher die Frühjahrs-Behütung der Wieſen, gänzlich unterſaget, ja ſolches nun-

mehr in den ſämmtlichen Königlich Preußiſchen Landen zu einem Geſeße gemachet worden.

' Dieſer kurzeUnterricht wird einem billig denfenden Richter, beſonders diejeni-

gen Wöaßregeln an die Zand geben, deren er ſich in Fällen/ wo bey der Aufhütungs-

Gerechtigkeit die geſchloſſene und ungeſchloſſene Zeiten 3u bejtimmen ſind, zu bedie- ven bat. j.

777484: von der Schädlichkeit ver Gemeinheit in Anſehung der Zütungsplänze.

Die Sorge für das zur reichlichen Unterhaltung des verhältnißmäßigen Viehſtan- des erforderliche Sommerfutter, iſt eben ſo nothwendig, ja gewiſſermaßen noch nochwen- diger, als das Winterfucter. Das leßtere Fann man, bey entſtehenden Mangel, allenfalls für Geld bekommen das erſiere aber iſt, wenn man nicht ſelber dafür geſorget hat, nir- gends zu verlaſſen.; 3

Das gewöhnliche Mittel das Viel) im. Sommer zu ernähren, iſt die Hütung, und zwar bis hieher, und bis das Aufhebungsgeſchäfte der Gemeinheiten einen weit aus- gebreitetern Fortgang gewonnen haben wird, an den meiſten Orten eine gemeinſchaftliche Hütung. Wenn auch keine fremde Feldnachbaren Theil daran haben, ſo ſpeiſet doch wenigſtens das herrſchaftliche und Bauer-Vieh gemeiniglich an einem Tiſch beyſammen. Wie ſchlecht und elend dergleichen gemeinſchaftliche Hütungen genußet werden, iehret die Erfahrung zur Genüge. Einer ſuchet dem andern vorzugreifen, und zuleßt haben fie in8ge- ſammt nichts.|;)

Wenn auch die Aufhebung. der Gemeinheiten, worauf in unſern Tagen mit ſo vielem Nachdruck gedrungen wird, ſonſt feinen Nußen hätte, ſo find doch die wichtige Vortheile, die daraus in Anſehung der Hütung entſtehen, ſchon allein hinreichend, dieſes Werk höchſt preiswürdig zu machen. Eine getheilte Hütung, wo ein jeder mit dem ihm zugefallenem Antheil nach freyen Willen ſchalten und walten kann, iſt gewiß noch einmahl ſo nußbar, als ſie vorher war, da ſie in der Gemeinſchaft ſtand, Bey den Hütungsplä- ßen, die blos zwiſchen: dem Grundherrn und den Unterthanen gemein ſind, iſt dieſes ſchon unleygbay.. Noch; weit mehr aber leuchtet der groſſe Nußen davon in ſolchen Fällen in die Augen, wo- auch ſo gar fremde Feldnachbaren ein gemeinſchaftliches Hütungs-Recht

aben.|. y Könnte, und warum ſollte ſolches nicht, wenn es nur mit dem gehörigen Ernſt und Eifer getrieben wird, möglich ſeyn? Könnte, ſage ich, die Aufhebung der gemeinen- tungen int ganzen Lande zu Stande kommen, ſo würde ſich der VBiehſtand dadurch in furzen von: ſelbſt verdoppeln. Was vor herrliche Ausſicht giebet uns dieſes nicht für die

Aufyahms des Acferbayes, uud überhaupt für die Wohlfarth des ganzen SE inem