Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
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Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter!c. IT

Dergleichen ſaure und naſſe Wieſen können niche füglicher als durch Ziehun ker und tüchtiger Graben, in einen beſſern Stand geſeßet werden. Die Abſicht dieſer Gra- ben iſt, daß das in dem Erdreich der Wieſen hangende Waſſer dadurd) abgezogen werde, Soll aber hievon ein wahrer Nuten zu erwarten ſtehen, ſo muß das in den Graben ſich geſammlete Waſſer einen freyen und ungehinderten Abfluß haben, indem es ſich ſonſt, wenn es ſtehen bleibet, ſehr leicht wieder mit dem Erdreich vereiniget. Dieſer freye Ab- fluß der Graben, Fann an vielen, ja faſt den meiſten Orten, nach Verſchiedenheit der La- ge, nicht anders bewirfet werden, als daß der Nachbar das darin befindliche Waſſer an- nehme und weiter ſchafe,

Kin Richter erſiehet hieraus, aus was vor Gründen und in welchen Fällen ein

L7achbar dem andern die nöcbige Vorfiuth zu verſchaffen, verbunden ſey. Die allge-

meine Wohlfarth des Staats erſordert ſolches, indem ſonſt eine groſſe HIenge der be- ſten und wichtigſten Derbeſſeryngen unterbleiben möjte.

gu-

Mei Ding s ZBehüten der Wieſen nüglich oder ſchädlich ſey.

Der eigentliche Endzweck der Wieſen beſtehet zwar darin, daß ſie durch das dar- auf gewonneite Hey, die benöthigte Winterfutterung für den Viehjtand liefern ſollen. Inzwiſchen werden ſelbige auch an den meiſten Orten, nachdem das Heu davon abge- bracht worden, und an vielen Orten auch ſchon im Frühjahr, ehe das Heugras zu ſeinem rechten Wachsthum gediehen, zur Hütung gebrauchet.

Die Behürung der Wieſen überhaupt betrachtet, giebet nügliche Bedüngung ab. Ueberſchwemmung und Behütung ſi liche Wege, den tragbaren Wieſen neue Kräfte zu geben. ter gewiſſen Umſtänden mehr ſchädlich als nüßlich ſeyn- Ja wohl gar den ganzen Wieſen- grund verderben.|

Auf die naſſen Wieſen, die gemeiniglich einen tiefen tor Hütung mit Pferden und Rindvieh niemahl, es ſey zu Herbſt- ſam. Das ſchwere Vieh mache in dem weichen Boden dur ſeine Fußſtapfen lauter fleine Gruben, woraus zulest die ſchädliche und den ganzen Grund der Wieſen verderbende Büäl- ten entſtehen. Man will zwar ſolches an einigen Orten im Frühjahr durch die Walze wie- der gut zu machen ſuchen. Allein es iſt dieſes eine ſchwere und für weitſchichtige Wieſen faſt unmögliche Arbeit, die am Ende dennoch zur Abwendung des Uebels nicht hinlänglich iſt. Jedoch nehme ich hievon billig diejenige tiefe und korfige Wieſenpläße aus, welche im Winter entweder einer natürlichen Ueberſchwemmung ausgeſeßer ſind, oder durch die Kunſt bewäſſert werden können. Auch dieſe mögen zu Herbſtzeiten ſicher und ohne Scha- den von allen Vieharten behütet werden, indem die Fluch des Waſſers die von dem Vieh hinterlaſſene Fußſtapfen wieder zuſpület, und daher feine Bülten zu befürchten ſind,

Veſte und trockne Wieſen können zu Herbſtzeiten, nachdem das Heu davon abge- bracht worden, nicht genung gehütet werden. Es gereicher ihnen ſolches, wie ſchon oben erinnert worden, zu einer wahren Düngung, und der Unterſcheid unter behüreten und nicht behüteten Wieſen, fällt bey dem WEN ERG gar bald in die Augen.

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In wie weit, und zu welchen Zeiten da

für dieſelben eine ſehr nd nur die beyde gewöhn- Inzwiſchen kann das leßtere un-

figen Grund haben, iſt die oder Frühjahrzeiten, rath-

Inzwi-