Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter tc. 9
Die Erfahrung lehrer, und auch aus den Beſtandtheilen deſſelben, kann es die Vernunft begreiffen, daß der Schafdung unter allen Miſtarten in Befruchtung des Akers die meiſte und ſchleunigſte Wirkung<ut. Auch in Anſehung der Menge machen die Schafe, wenn nur bey Einſtreuung der Ställe gehörig verfahren wird, uncer allen Vieh- arten den meiſten Miſt. Der Aerbau kann daher zu ſeiner Erhaltung und Aufnahme des Schafftandes nicht entbehren, und man ſiehet es den Feldern gar bald an, wenn die Schäfereyen ſchwach geworden, oder wohl gar, wie in unſern Tagen an vielen Orten we- gen der verderblichen Räude geſchehen iſt, ganz und gar zu Grunde gegangen ſind. Und was vor ein nüßliches Thier iſt nicht ein Schaf noch überdem für den ganzen Staat, in Anſehung ſeiner zu unſrer Deckung und Kleidung nöthigen Wolle? Wie viele tauſend Menſchen leben nicht in den meiſten Ländern von Wollſpinnen und kraßen, Tuch und Zeugmachen? Die Wohlfarth aller dieſer Leute hanget von dem Wohlſtande der Schäfe- teyen ab, und wenn dieſe zu Grunde gehen, ſo folgert auch der Untergang von jenen un- ausbleiblich. Dieſes iſt für den Staat um ſo ſchädlicher und gefährlicher, als bey dieſem Gewerbe, wenn es im gehörigen Gange iſt, ein groſſer Theil der ärmſten im Lande, die nachher aus Noth wieder Bettler werden müſſen, ſeine Nahrung und Unterhalt findet.
Bey Aufhebung und Auseinanderſeßung der Gemeinheiten leget die Erhaltung der Schäfereyen dem Fortgange dieſes an ſich ſo nüßlichen Werkes, mancherley Hinderniß in den Weg, indem die Schafe zwar mit einer magern Weide zufrieden ſind, dagegen aber eine weit ausgebreitete Hütung verlangen.. Die Theilung der Gemeinheiten würde an vielen Orten weit genauer eingerichtet werden können, wenn man nicht wegen der Schäfe- veyen eine Ausnahme machen müſte, wie ſolches unten in dem dritten Hauptſtücke mit meh- rern gezeiget werden ſoll. Ein Richter, der dieſes Theilungsgeſchäfte zu dirigiren hat, muß daher die Erhaltung der Schäferepen dabey jederzeit zu ſeinem vornehmſten Au- genmer? haben, und tverhaupt bey allen gerichtliczen Verfügungen den Verderb oder Schwächung eines für den Staat ſo koſtbaren Schatzes ſorgfältig zu vermeiden ſuchen.
627 mds Futter und Viehſtand muſſen ebenfalls in einem richtigen Verhältniß ſtehen.
Wenn der erforderliche Viehſtand unterha'ten, und dadurch die gehörige Bedün- gung der Felder beſtritten werden ſoll, ſo iſt dazu ein hinlänglicher Vorrath von Sommer- und Winterfutter nöchig. Mit der Menge des Viehes allein iſt es nicht ausgerichtet. Soll ſol<es den gehörigen Nußen bringen, auch vielen und tauglichen Dünger liefern, ſo muß es zu allen Zeiten in reichlicher Futterung unterhalten werden. Eine Kuh, die wohl ge- wartet und gepfleget wird, macht mehrern und beſſern Miſt, als zwey andre, die ſchlecht gefuttert und gewartet werden. Und ſo verhält es ſich mit allen andern Vieharten.
Mit Einem Worte, eben ſo, wie ein gewiſſes Verhältniß zwiſchen Ackerbau und Viehſtand nöchig iſt, muß auch ſolches zwiſchen dem Viehſtande und der auf einem Land- guth befindlichen Futterung beobachtet werden.
Dey allen Sälien alſo, wo ein Richter den Zuſtand der Düngung in Erwägung 3U3 ziehen Hat, muß er nicht blos auf die tirenge des Viehes, ſondern auch zugleich auf das vorhandene Futrer ſeben, um daraus, ob auch der angegebene Viebſtand reichlich und gevoörig auszgefuttert werden könne, zu beurtheilen. ZKauf- und Pacht-Anſchläge
Oecoi. For. 1. Theil. B werden
; ]
de
ere oun 00n 2000706057 0. kg IEINEN


