Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
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Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter tc. 5

Auch muß ſolches bey vorfallenden Erbtbeilungen, wo öfters die Srade, ob ein von einem Verſtorbenen hinterlaſſenes Landgutbh unter ſämmtliche Erben zu thei- jen oder nur einen derſelben zuzuſchlagen ſey; vorfällt/ nicht auſſer Augen geſetzet werden.

8: 7- Das für den Ackerbau, als den wichtigſten Wirthſchaftstheil, die meiſte Sorge getrageir, und deſſen Verderben auf alle mögliche Weiſe vermieden werden müſſe.

Unter allen ſo. mannigfaltigen Wirthſchaftstheilen iſt der AFXerbau der noth- weyndigſte, und auf den meiſten Zandgütbern derwidtigſte.

Der Acerbau ſtiller den Hunger des ganzen Landes, und-das Getreide, ſo uns derſelbe liefert, iſt'eine Waare, die zu allen Zeiten den ſicherſten Abſaß findet.

Es verdiene alſo dieſer Wirchſchaftstheil die meiſte Aufmerkſamfeit, ſo wohl in gerichtlichen als auſſergerichtlichen Fällen. Eine Aerwirthſchaft zuGrunde zu richten, iſt ein Verbrechen wider das gemeine Weſen, inſonderheit in einem Lande, wo der Acker- bau das Hauptgewerbe' iſt. Nach dem Verhältniß, als dieſer ab- oder zunimmt, fällt oder wächſt,auch der wahre Reichthum des Staats. Und was vor elende Folgen ziehet nicht ein gänzlicher Brodmangel nach ſich! Es kann einem jeden Gerechtigfeit geſchehen, ohne - daß der AFerbau geſtörer werden darf.)

Fe

Wie aus dieſer: Urſache die Bauern 3u ſchonen, und beſonders, mit keinen Geldſtrafen zu belegen.

Der Bauer iſt dasjenige Geſchöpfe, dem wir den Betrieb digſes eben ſo nothwen- digen als edlen Gewerbes zu danken haben. An der Erhaltung? dieſes bey Unver- ſtändigen ſo verächtlichen Bauergeſchlechtes, iſt alles in der Welt gelegen, und ich biete einem jeden Troz, ob er mir einen für die Wohlfarth des Staats nüßlichern und nothwen- digern Stand anzugeben vermag. Inzwiſchen kann es nicht fehlen, daß die Seele eines AFermanns, bey einer blos mechaniſchen Erziehung und der ſchweren Arbeit, wozu er von der zarteſten Kindheit an, angehalten wird, nicht die erforderliche moraliſche Ausbildung erhält. Dieſes verurſachet, daß er nicht ſelten, und öſter wie andre ſeiner Micbürger, in ſträfbare Vergehungen verfällt. Seine Vergehungen ſind meiſtens von der Art, daß ſie durch Geldbußen abgelöſet und wieder gut gemacht werden könnten. Ungehorſam, Widerſpen- ſtigfeit und kleine Betrügereyen, ſind ſeine gewöhnlichſte Fehler. Solche ungeſtraft zu laſſen, und mit einem Bauer allzuglimpflich umzugehen, rathe ich niemanden. Vielmehr muß ein jeder, der ſich ſeine Bauern nicht zu Kopfe wachſen. laſſen will, eine vernünftige Strenge und Ernſt gebrauchen.

Allein'am Leibe, nicht aber am Gelde,. müſſen dieſelben beſtrafet werden. Ein- mal fruchten die Züchtigungen des Leibes bey dieſem Geſchlechte, wie es die Erfahrung lehret, weit mehr. Demnächſt ſtrafer man dürch die dem Bauer auferlegte Geldbuße mehr den Guthsherrn, ja gewiſſermaßen den Staat ſelber, als den Bauer. Wenn die- ſer weiß, daß er mit einer Geldſtrafe davon kommen kann, ſo wiederhohlet er ſein Verbre-

<hen bey der erſten Gelegenheit. Zulezt wird er'in ſeiner Nahrung geſchwächet, und n NZ ihm