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Landwirtschaftliche Ankaufs- und Verkaufs-Genossenschaften, ihr Wesen und ihre Einrichtung : für die Praxis / bearbeitet von H. von Mendel
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56 Die Verkaufs-Genossenschaften.

Vertrauen verdienen. Ja, wird da mancher sagen, giebt es solche Leute? Trau, schau wem! I< antworte mit dem Sprichwort: Wer nicht traut, dem ist nicht zu trauen! Obwohl ich aus Er- fahrung weiß, daß nicht alle Leute ehrlich sind, so habe ich doch auch schon gefunden, daß auf ein gut Teil Ehrlichkeit mehr zu rechnen ist, wenn man den Leuten selbst Vertrauen schenkt. Im Fragefall liegt die Sache auch so, daß der Kommissionär schon seines Vorteils wegen ehrlich sein und das Interesse seiner Auftrag- geber wahren würde. Wird derselbe doh schon in dem Umstand hierzu volle Veranlassung finden, daß, wenn auch nur ein Teil des von den Verbands- Genossen zum Verkauf kommenden Viehes auf diesem Wege zum Verkauf gelange, dies schon eine sehr große Zahl repräsentieren würde, so daß der Kommissionär einen ansehnlichen Verdienst zu erwarten hätte. Zudem ist mein Vorschlag nicht neu und unerprobt, denn in Paris, London, Berlin, Hamburg 2c. werden die meisten Geschäfte auf diese Art gemacht, und auch bei uns ver- kauft man hier und da auf die geschilderte Weise, wenn auch noch feine diesbezügliche förmliche Organisation besteht. Namentlich die kleinen Handelsleute, die Zwischenhändler, die wir zu beseitigen be- strebt sein müssen, da deren Mitwirkung beim Verkaufe unseren Erlös wesentlich verringert, schlagen in zahlreichen Fällen diesen Weg ein, und wenn diese das Mittel probat finden, wird es gewiß auch uns nüßlich sein. Daß wir durch eine solche Einrichtung Vor- teile erringen werden, ist zweifellos, wenngleich dieselben von vorn- herein nicht in die Augen fallen. Für fettes Vieh zahlen unsere Händler manchmal jetzt schon so hohe Preise, daß sie hinterher selbst Verlust erleiden; doch ist dies nur scheinbar der Fall, denn in den meisten Fällen versorgen sie den verkaufenden Landwirt sofort bei ver Abnahme des Schlachtviehes oder gleich nachher wieder mit frischer Ware und finden hierin doppelte Entschädigung. I< könnte dafür zahlreiche, selbsterlebte Beispiele als Beweis anführen. Nur eins teile ih mit: Im Frühjahr 1883 brachte ein Handelsmann drei sehr teuer eingefaufte Ochsen nach Mainz. I< wußte, was sie gekostet hatten, und war zugegen, als sie verkauft wurden. Der

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