Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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210 Ems, Quellen.

Norden bis in den Hof der evangelischen Kirche, im Westen bis zur Marktstrasse erstreckt und dessen Porta decumana im jetzigen Garten desFheinischen Hofes lag, woselbst ein Plan der Befestigung aufgehängt ist. Zweifellos diente dieses auch zur Deckung der Silbergruben, welche im Emsbachthal aufwärts sich finden. Die jetzige Römerstrasse war in römischer Zeit die Gräber- strasse, an der entlang zahlreiche Grabstätten mit den üblichen Beigaben aufgedeckt worden sind, und zwei Brücken, deren Spuren bei der jetzigen Gilterbricke und der Gasfabrik nachgewiesen sind, führten auf das linke Lahnufer, wo nach gefundenen Resten viele reich ausgestattete Villen und Bäder gelegen haben müssen. Im fränkischen Mittelalter gehörte Ems den Herrn des Niederlahngaus, den Konradinern, nach deren Niedergange die Erzbischöfe von Trier Grundherren des Ortes wurden, denen der grösste Teil der Bevölkerung leibeigen war. Die erste Erwähnung der Quellen findet sich in Verbindung mit den Silbergruben im Jahre 1172, demselben, in welchem zuerst die Grafen von Nassau im Besitz der schirmherrlichen Rechte erscheinen. Stadtrecht erhielt der Ort durch Ludwig den Baiern 1324, und aus dieser Zeit stammen auch wohl die wenigen Reste der alten Befestigungen. Seit 1443 teilten sich in die Vogtei die Grafen von Nassau-Dillenburg und von Catzenelnbogen, deren Anteil sich 1479 auf Hessen-Darmstadt vererbte. Diese Gemeinschaft, die indessen der Entwicklung des Bades nicht zum Heile gereichte, da jeder dasselbe zu seinen Vor- teil auszubeuten suchte, dauerte bis 1803. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Herzogtum Nassau gehörig, ging Ems mit der Annexion desselben 1866 an das Königreich Preussen über, so dass die Badeanlagen nebst den Hauptquellen nunmehr Eigen- tum des preussischen Fiskus sind. Die Entwicklung zum Mell- bade fällt in die letzte Hälfte des 19. Jahrhunderts, besonders seitdem Kaiser Wilhelm I., auf dessen Anwesenheit die mannig- fachsten Erinnerungszeichen hinweisen, Ems zu seinem Lieblings- bade wählte, in dem er nicht weniger als zwanzigmal als Kurgast weilte. Die Zahl der Gäste, welche bei den Quellen als Badende und Trinkende Heilung suchen, sowie der vorübergehend sich aufhaltenden Reisenden beträgt jetzt jährlich gegen 23 bis 24 000, und das Badepublikum weist zur Zeit der Hochsaison ein durch- aus internationales Gepräge auf.

Das Wasser der Emser Mineralquellen ist krystallklar und rein und entwickelt im Glase perlartige Gasbläschen; der Ge- schmack ist weich, säuerlich und prickelnd. Die Quellen werden vorwiegend gebraucht gegen Frkrankungen der Atmungs- und Verdauungsorgane, gegen Blasenleiden und weibliche Krankheiten verschiedener Art, bei Störungen des Nervensystems, gegen däus- sere Hautkrankheiten u. s. W. Die berühmtesten fiskalischen Quellen sind der Kesselbrunuen mit einer Temperatur von