Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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204 Burg Stein, Steindenkmal.

zu öftern gesprengte Steinbrücke ausgeführte Kettenbriüche die alte sogenannte Bäderstrasse von Coblenz über Ems nach Nassau und von hier über Singhofen und Holzhausen nach Langenschwalbach, Schlangenbad und Wiesbaden überschreitet hier die Lahn und steigt entweder neben Hotel Bellevue den Pfad rechts oder von der lahnabwärts führenden Strasse den ersten Fussweg links hinauf. Durch schönen Buchenwald gelangt man bequem und durch mannigfache Wegweiser geleitet zunächst zu den Trümmern der alten Burg Stein, die durch eine Felsscharte vom Berge getrennt ist. Die grauen Steintrümmer bieten nichts Besonderes, wirken aber, da sie rings mit Bäumen und grünem Strauch- und Rankenwerk durch- wachsen sind, sehr stimmungs- voll. Von der Höhe unter der breitästigen Eiche hat man einen hühschen Blick auf das Lahnthal und das Steindenk- mal, besonders aber links in das liebliche Mühlbachthal.

Ein Freier Hugo de lapide kommt urkundlich zuerst 1158 vor. Seit 1173 erscheinen die Ritter vom und zum Stein als Dienst-und Burgmannen der Ora- fen von Nassau. Die Burg ist zerfallen seit 1636, nachdem das Geschlecht in sein Stadtschloss übergesiedelt war.

Zu Füssen der Burg auf dem Vorsprunge des Berges gegen das Lahnthal steht unter gotischem Ueberbau aus Rotsandstein das Marmordenkmal des Letzten des alten Hauses, von dem die an der Vorderseite angebrachte Inschrift nachstchende Kunde giebt:

Heinrich EFr. Karl Freiherr vom und zum Stein, geb. 25. Okt. 1757 gest. 29. Juni 1831.

Während die linke Hand kräftig nach unten weist, hebt die rechte die Urkundenrolle über die Aufhebung der Erbunterthänig- keit empor, auf der mit goldenen LetternNassau im Taunus 1807 eingegraben steht. Es ist damit augenscheinlich der Zeitpunkt bezeichnet, in welchem er während seiner zeitweisen Entlassung den Entwurf zu jenem ersten grundlegenden Gesetze ausarbeitere. Er selbst schaut aufwärts zu seiner Ahnenburg. Der Gesichtsaus- druck ist ausserordendlich energisch und in den Zügen spricht sich