Schloss Stein. 203
Ortes, auf der rechten Seite flankiert von einem stark vor- springendem Flügel, links von einem abgestumpften gotischen Turm. Es ist die Geburtsstätte des MWinisters Freiherrn vom und zum Stein, des Neuschöpfers des preussischen Staates, der hier am 25. Oktober 1757 das Licht der Welt erblickte und einen grossen Teil seines reichen Lebens hier verbracht hat. Das architektonisch wenig bedeutsame Hauptgebäude wurde, wie uns die die Jahreszahl 1621 tragende Inschrift über dem Por- tale anzeigt, im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts aufgeführt von der Reichsfreiherrlich Steinschen Familie, als sie ihren Sitz vom Berge in das Städtchen verlegte und so ihrem letz- ten und grössten Repräsentanten, dem Reorganisator des deut- schen Vofks- und Bürgertums, die Stätte seines Wirkungsfeldes vorbildlich anwies. Der achteckige gotische Turm, der einzig zugängliche Deil des Schlosses, ist vom Freiherrp selbst im Jahre 1815 erbaut worden als Gedächtnishalle für die Zeit der Freiheitsriege. Der erste Stock enthält das einfach, aber wür- dig eingerichtete Arbeitszimmer desselben mit einer Büste von Pfuhl und einem Porträt von Rincklage in Münster aus dem Jahre 1804, welches ihn als Staatsminister darstellt und merk- würdige Aehnlichkeit mit gleichalterigen Abpbildungen Goethes verrät. In dem obern, gleichfalls einfach gehaltenen Zimmer steht in der Mitte das Modell des Steindenkmals von Schie- velbein auf dem Dönhofsplatze in Berlin, dann die Büsten der drei verbündeten Monarchen und die in Erz ausgeführten Ge- dächtnistafeln mit Angabe der ereignisvollen Tage aus den Freiheitskriegen. Die Tafeln von 1870 und 1871, sowie die Büste Kaiser H'ilhelms I. sind von der Gräfin von Kielmanns- egge zugefügt, der letzten Enkelin des Freiherrn, deren Gemahl schon nach einjähriger Ehe auf einer Wagenfahrt nach Ems verunglückte und starb Die Besichtigung der beschriebenen Räume ist gestattet am Montag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 11 und von 2 bis 6 Uhr; statt Trinkgeld legt man einen Beitrag zu einer milden Stiftung in die Büchse am Ein- gang. Der Garten ist an den Wochentagen von 8 bis 12 und von 2 bis 7 Uhr unentgeltlich zugänglich.
Mit dem Tode der Gräfin von Kielmannsegge, welcher An- fangs Februar 1901 auf ihrem Gute Kappenberg in Westfalen erfolgte, demselben, wo 70 Jahre vorher ihr Grossvater starb, ist das Steinsche Geschlecht erloschen, und der Besitz fällt an den Grafen von der Groeben, Geh. Legationsrat bei der Deut- schen Gesandtschaft in Madrid.
Der nächste und lohnendste Ausflug gilt natürlich dem auf der linken Lahnseite gelegenen Burgberge. Man geht nach Ueberschreitung der Schienen, jenseit deren rechts eine Farbentafel angebracht ist, über die 1829 als Ersatz für die


