Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Dörsbachthal, Jammerthal. 199

starb, kam die Herrschaft durch dessen Tochter Anna, welche mit dem Landgrafen Heinrich I. von Hessen vermählt war, an dieses Haus, bis sie im Anfang des 19. Jahrhunderts zum grössten Teil Nassau zugewiesen wurde.

Zunächst ist das Thal unterhalb Katzenelnbogen noch ziemlich flach und bietet nichts Bemerkenswertes. Man geht durch das benachbarte Klingelbach, dessen evangelische Kirche auch für Katzenelnbogen Pfarrkirche ist, an der Wirtschaft von Bornwasser vorbei nach Ergeshausen. 160 Schritte jen- seits des letzten Hauses dieses Ortes biegt der Weg rechts, man geht aber gerade aus dem Wegweiser nach, welcher nach dem Dörsbachthal und Arnstein zeigt. Bald senkt sich der Feldweg über der Kesselmühle hin, welche links liegen bleibt, und man erreicht die Thalsohle pei der Haarmühle, von der abwärts das Thal sich zu schliessen beginnt und seinen hoch- romantischen Charakter gewinnt. Früher musste man, wenn man das Jammerthal, denn diesen Namen führt es in seinen wildesten Partien, durchwandern wollte, seinen Weg durch die Wiesen suchen, wobei man öfter gezwungen war, den Bach, der wiederholt von einer Bergwand scharf zur andern hinüber- stösst, zu durchwaten, was natürlich nur bei niedrigstem Wasserstande ratsam war. Jetzt ist aber auf der rechten Bachseite ein mit blauen Punkten bezeichneter Pfad angelegt, welcher meistens im Thale läuft, manchmal aber auch an der Bergwand in die Höhe klimmt, aber, wenn auch nicht immer sehr bequem, doch eine Passage zu jeder Zeit ermöglicht. Auf ihm gelangt man in etwa 7 Min. zur Dittenberger Mühle, jen- seit deren das Thal einen fast schluchtartigen Charakter ge- winnt. Auf der rechten Seite sieht man die durchbrochenen Schieferrippen schroff gegen den Bach ragen, während auf der linken Seitée eine herrliche Waldlehne allmäblicher sich zu ihm hinuntersenkt. Kurz vor der Jammerthalsmühle schieben sich die Bergzüge dreimal auf kurze Entfernung vor einander, die Schieferfelsen zur Rechten stehen steil gegen Nordwesten an und zeigen eine merkwürdige Zerrissenheit und Verwitterung. Kaum hält man es für möglich, aus dem engen Felskessel einen Ausgang zu finden.

Nach 15 Min. von der Dittenberger Mühle gerechnet er- reicht man die Jammerthalsmithle. Und jammervoll ist auch der weitere Fussweg, voll Schiefergeröll und so mit Nesseln bewachsen, dass man nur mit hochgehobenen Armen hindurch- gehen kann. Aber mit einem Male gewinnt das Thal eine un- vergleichliche Lieblichkeit, man glaubt am Rande der Ilse im Harz herzuwandeln. Ueber Geröll und moosiges Gestein rauscht der Bach dahin unter überhängendem Gebüsch, durch welches auch der Pfad unmittelbar am Ufer daherzieht. Bald aber be-