Schloss Langenau. 197
Von der Weinährer Hütte, welche der Rheinisch-Nassauischen Abktien-Gesellschaft gehört, aber nicht mehr betrieben wird— bei dem im Betriebshause wohnenden Arbeiter erhält man bereit- willig ein Glas Milch— folgt man der Strasse thalabwärts. Nach 5 Min. Obernhofer Hütte auf der linken Bachseite; wer direkt nach Obernhof zurück will, geht hier über die Holz- brücke und folgt rechts dem berganführenden Wege, der auf die Nassauer Sirasse führt.
Geht man nach Weinähr weiter, so tritt man nach 10 Min. in die Thalweiterung, in welcher der Ort weltabge- schieden liegt. An den nördlichen Hängen sieht man ziemlich umfangreiche Weinberge, deren Erzeugnis wohl dem Dorfe den Namen gegeben hat. Der Wein, den man in den Wirt- schaften von Kahai und von Lindscheidt erhält, ist in der That recht trinkbar, der rote ähnelt dem Assmannshäuser.
Die Strasse am Gelbach entlang, welche jenseits Weindhr sich wieder nach S. wendet und sich durch das Gebirge zur Lahn Bahn bricht, stösst nach 20 Min. auf Schloss Langenau, dessen Westmauern unmittelbar aus dem Flusse aufsteigen.
Das Geschlecht der Herrn von Langenau, welches hier seinen Stammsitz hatte, wird zuerst 1247 erwähnt; nach dem Erlöschen des Geschlechts 1613 ging der Besitz über an die Elz von Rübe- nach und später an die Herrn von Marioth, deren letzter 1847 starb. Die Tochter des Freiherrn vom Stein, Gräfin von Giech, kaufte das Schloss und errichtete in den weitläufigen Gebäuden ein Hospital und Rettungshaus für verwahrloste Kinder, welches indessen 1865 nach Scheuren verlegte wurde. Jetzt dienen die Gebäude lediglich Oekonomiezwecken.
Die Schlossummauerung bietet dem sich von Norden Nähern- den eine breite Front, welche zur rechten Seite von einem quadratischen Eekturm flankiert wird. Durch einen Thorturm tritt man in den geräumigen Hoj, auf dessen Ostseite das dem Unde des 17. Jahrhunderts entstammende Hauptgebäude steht, überragt von dem mächtigen alten Bergfried, welcher in die Rückseite des Baues eingezogen ist. In dem Rittersaal findet sich schöne Stuckarbeit an der Decke und am Kamin, an der Fensterseite hübsche Eichentäfelung, doch verfällt alles in jämmerlichster Weise. Von der südöstlichen Umfassungsmauer hat man einen schönen Blick auf Kloster Arnstein und die von hohen Bäumen gekrönte Bergwand, doch muss man mit Hilfe einer Leiter erst zur Mauertreppe hinaufsteigen.
Vor dem Thore gelangt man links auf dem Feldwege zur Nassauer Chaussee, der man links biegend folgt. Nach Ueber- schreitung des Gelbachs hält man sich unten an der Lahn und kommt in etwa 20 Min. nach Obernhof.


