Der Goethepunkt. 195
Nachdem noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine gründ- liche Renovierung der alten Klostergebäude vorgenommen var, wurde die Abtei 1803 aufgehoben und ihre reichen Einkünfte der Nassau-Weilburgischen Domäne überwiesen, die bisherige Stifts- kirche aber zur Pfarrkirche der Gemeinde Seelbach-Arnstein be- stimmt. Seitdem ist die alte Pfarrkirche, die am Fuss des Berges gelegene Margaretenkirche, aufgegeben und zur Ruine geworden.
Während die meisten Klostergebäude sich in Verfall pefinden, ist die Kirche restauriert und sehr sehenswert. In ihrer Anlage romanisch, weisen Chor und Querschilfe, der Erweiterung durch Abt Wilhelm von Staffel entstammend, gotische Formen auf. Die Querschiffe sind erst 1885 auf Veranlassung und nach Anordnung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm dem Stil angemessen neu gebaut worden. Im Chor ist der alte Steinboden bemerkenswert; einige Steine vor dem Altar sind herausgenommen, um als Muster für den Fussboden in der Gruft der Hochmeister in Marienburg zu dienen. Im südlichen Querschiff schönes altes Gestühl, im südlichen Seitenschiff Grabmal des Gründers, welches dem 13. Jahrhundert entstam- mend, vermutlich von dem Stifte gesetzt wurde.
Von dem Felsvorsprung vor dem Kloster, wo eine Bank angebracht ist, hat man eine prächtige Aussicht ins Lahnthal auf Obernhof, Langenau und das jenseitige Gebirge, aus dem namentlich die mit einem Pavillon gekrönte Felskuppe der Hohenlei hervorragt. Ueber die verschiedenen von hier aus- gehenden Wege siehe weiter unten.
Derjenige Punkt, welcher neben dem Kloster Annstein die Aufmerksamkeit des Wanderers am meisten anzieht, ist von jener Stelle nicht sichtbar. Es ist dies der Goethepunkt, ein schroffer Felsvorsprung von 170 m über dem Lahnspiegel, welcher von dem rückwuärts liegenden Plateau aus sich peherrschend zwischen das Lahn- und Gelbachthal vorschiebt und von Goethe bei seiner Anwesenheit— die Angaben über den Zeitpunkt derselben schwanken zwischen den beiden Jahren 1814 und 1828— für den schönsten Aussichtspunkt an der Lahn erklärt worden sein soll. Man erreicht denselben vom Dorfe Obernhof, indem man von der Führe am Bingel- schen Wirtshause vorbei durch den Ort aufwärts geht und rechts den blauen Punkten nach dem durch Weinberge führ- enden, ziemlich steilen Pfade folgt. Dieser trifft, wo der Wald beginnt, auf die von Nassau nach Holzappel laufende Strasse, die gleich darauf eine scharfe Wendung nach links macht. Nach 2 Min. wendet sie sich wieder rechts, zum Goethepunkt aber schlägt man den rasigen Waldweg nach links ein, bezeichnet durch ein an einem Eichbaum angebrachtes Blech-
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