Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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194 Kloster Arnstein.

Wirtschaftsgebäude, durch ein zweites Thor in einen inneren Hof, welcher links von einem langen, dem 18. Jahrhundert entstammenden Gebäude flankiert wird, dem jetzigen Pfarrhaus für die katholische Pfarrei Seelbach-Arnstein, früher Kellerei und Verwaltungshaus der Abtei; auch diente es zeitweilig bis zum Jahre 1869 als Besserungsanstalt für katholische Geist- liche der Diöcese Limburg. Zur Besichtigung der alten Stifts- kirche, die jetzt für die genannte Gemeiade als Pfarrkirche dient, melde man sich am Pfarrhaus; der Weg führt rechts von diesem an dem baufälligen Konventsgebäude vorbei zu der Vorhalle des sehr sehenswerten Gotteshauses.

In alten Zeiten stand an der Stelle des Klosters die Burg Arnoldstein, später Arnstein genannt, der Sitz der mächtigen Grafen vom Einrich-Gau, welcher sich südwärts von der Lahn zum Rhein hin erstreckte. Der erste bekannte Besitzer dieses Hauses, Graf Hugo, wird um 978 genannt. Von seinen beiden Söhnen Wigger und Arnold erbaute der jüngere die Burg, welche er nach seinem Namen nannte. Einer seiner Nachkommen, Ludwig III., eine kräftige, rauflustige Natur, benutzte die feste Lage der Burg, um von hier aus die Umgegend zu vergewaltigen. Arnstein war damals, wie sein Biograph berichtet,eine grausige Stätte, eine wahre Wildnis, bequem zum Rauben, ein Stein aller Laster und Schande, ein Diebshaus ein- und auszureiten, zu berauben alles Fremde auf Strasse, Fluss und Fähre. Endlich des wüsten Treibens müde, benützte Graf Luduig, zumal er ohne männliche Erben war, seine reiche Habe, um verschiedene Klöster zu stiften, und gründete zuerst auf seiner Stammburg eine Prämonstratenser- Ablei, welche 1139 einer Kolonie von 24 Brüdern aus Sachsen überwiesen wurde. Er selbst vertauschte nebst 6 Rittern seines Hofstaates das Kriegsgewand mit der Mönchskutte, und seinem Beispiele folgte auch seine Frau Jutta; in einer besonderen Zelle neben der Kirche, aus der sie durch ein Fenster der Messe bei- wohnen konnte, verbrachte sie ihre noch übrigen Lebenstage. Luduwig starb 1185 auf einer Reise in dem von ihm gestifteten Kloster Gummersheim in der Pfalz. Seine Leiche wurde vor dem Altar der Klosterkirche zu Arnstein beigesetzt.

Bald blühte das Kloster durch reiche Begabungen mächtig auf und genoss hohen Ruf als hervorragende Kulturstätte des Lahnthals. Unter den 27 Aebten, welche im Laufe der Jahr- hunderte demselben vorstanden, ist der bedeutendste Wilhelm von Staffel in der Mitte des 14. Jahrhunderts, der 1360 die Stiftskirche ausbauen und erweitern liess. Sein Grabmahl befindet sich im Chor derselben. Als 1542 die Grafen von Nassau, welche bisher die Vogtei über das Kloster ausgeübt, evangelisch wurden, ging die Schutzherrschaft auf den Kurfürsten von Trier über.