Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Arnstein. 193

den Dorsbach unfern der Arnsteiner Mühle aufnimmt, wird die Lahn wieder durch die entgegenstehende hohe Bergwand scharf nach Westen gedrängt, um bald darauf einen Bogen nach Norden zu beschreiben. So entsteht eine Halbinsel, in deren westlichen Teil die von dieser Richtung einstossende Bergmasse ebenfalls einen Ausläufer entsendet. Auf der letzten Abstuf- ung derselben, unmittelbar über dem den Süden der Halbinsel ausfüllenden Schwemmlande erhebt sich das Schloss Langenau. Der Gelbach aber zwüngt sich zwischen diesem Ausläufer und dem Bernshahner Kopf hindurch und teilt so, die Mauern des genannten Schlosses bespülend, die Halbinsel in zwei ungleiche Teile. Die südlich der Lahn aufragende Bergmasse aber sendet zwischen diese und den Dörsbach einen ausserordentlich sym- metrisch geformten Bergkegel, der das Thal des Baches scheinbar schliesst und aufseinem Schei- tel das Kloster Arnstein trägt. Die- ses bildet ohne Zwei- fel den Mittelpunkt, der Gegend, und wer bei sinkender Sonne von der Haltestelle zur Arnsteiner Mühle geht, versäume nicht, unter dem letzten Birnbaum links, wel- cher durch einen blauen Punkt bezeichnet ist, einige Augen- plicke dem Anschauen des sich vor ihm ausbreitenden unver- gleichlichen und merkwürdig symmetrischen Landschaftsbildes zu widmen. Von beiden Seiten neigen sich die bewaldeten Bergränder gegen den von der schönen, alten Kirche mit ihren vier Türmen gekrönten Klosterberg, das Ganze übergossen vom goldenen Abendlicht, gegen welches die tiefen Bergschatten gleichmässig und scharf sich abheben. Am Fusse des Berges die durchwachsenen Ruinen einer Kirche, sonst kein Zeichen einer menschlichen Ansiedlung, vielleicht das weihevollste Bild, welches die Lahn zu bieten vermag.

Zum Kloster Arnstein führt der neben der Restauration herlaufende Weg in 7 Min. aufwärts. Köstliche Blicke links ins Dörsbachthal, dessen hohe und steile Thalränder, sich ku- lissenförmig voreinander schieben. Durch einen verfallenen Thorbau gelangt man von der Bergkehle aus in den äusseren und zwischen Hecken und Gebäudetrümmern, den Resten alter

Kloster Arnstein.

Illustr. Lahnführer. 13