192 Obernhof.
links an der Lahn ein guter, wenn auch schmaler Pfad ent- lang, verliert sich aber bald in die Berge. Wer daher den Wesg an der Lahn entlang zu Fuss machen will, muss auch hier den Leinpfad am rechten Ufer wählen, der allerdings stellenweise holperig, aber für nicht verwöhnte Füsse noch gangbar ist. Unterhalb des auf der Höhe gelegenen Dorfes Dörnberg führt derselbe über das zwischen Berg und Pluss sich einzwängende Oertchen Kalkofen. Das auf dem rechten Lahnufer lang sich hinstreckende, reizend gelegene Obernhof ist mit der Haltestelle durch eine Fähre verbunden, zu der man von letzterer durch den Bahndurchlass gelangt. Wirts- haus von Bingel im Ort nahe der Fähre, einfach, aber sauber und gut. Auch Platz für einige Pensionsgäste.
Wer indessen einige Tage verweilen will, um die Natur- schönheiten, besonders erwähnt sei der Goethepunkt(s. S. 195), die sich an keiner Stelle der Lahn so eng und zahlreich zusammendrängen, die man bei der Eisenbahn- fahrt entweder gar nicht oder nur flüchtig zu Gesicht bekommt, zu geniessen, der nehme Quartier in der Arn- steiner Mühle, einer mit Pension(4 Mk.) für 25 Personen eingerichteten Feestauration, zu der man von der Haltestelle kommend, vor dem Bahndurchlasse links biegt. Entfernung 7 Min. Ihre Lage am Eingange des lieblichen, von mächtigen Felspartien überragten Dörsbachthales, am Fusse des Kloster- berges, macht sie bei der gastfreien und freundlichen Auf- nahme, die man hier findet, vorzüglich geeignet, sich dort- hin eine Zeit lang zurückzuziehen vor dem geräuschvollen Weltgetriebe, um vom behaglichen Ruhepunkt aus Einschau zu nehmen in die verschiedenen Thäler, die hier zur Lahn drängen, die prächtigen Wälder zu durchstreifen, welche die Berge krönen, zu den Felskuppen emporzuklimmen, welche Aussichten gewühren, wie sie an wenigen Stellen reizvoller zu finden sind.
Die Anordnung der Gegend wird vornehmlich dadurch be- dingt, dass zwei bedeutende Zuflüsse hier in einer Entfernung von kaum 500 m in die Lahn münden, der Dörsbach, welcher sein vielgewundenes Bette durch das Taunusplateau gräbt, der Gelbach, welcher, nicht minder reich an Krümmungen, sein Wasser vom Westerwald herunterführt. Zwischen letzteren und den Hauptfluss zwängt sich von Nordosten her ein langer, schmaler Berggrat ein, der sich aber im Westen im Bernshahner Kopf wieder erhöht und verbreitert und die Lahn nötigt, bei Obernhof eine scharfe Wendung nach Süden zu machen; durch denselben Bergzug wird der Gelbach gezwungen, seinen Lauf fast 1 ½ km lang westwärts zu richten, und den weiten Thal- kessel zu bilden, in dem das Dorf Weinähr liegt. Nach einer Südwendung von nicht ganz 1 km Läünge, während deren sie


