Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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170 Elbbachthal.

halde gebildeten und mit Reisig gedeckten Eisstollen zu Tage tritt und selbst im heissesten Sommer nicht schmilzt. Ein eisiger Luftstrom, dessen+ 2 bis 0 Grad R. betragende Kälte mit der Steigerung der äusseren Temperatur zunimmt, strömt aus der Oeffnung dieser Löcher entgegen, in deren Hintergrund festes, körniges Eis lagert, ohne wesentliche Feuchtigkeit ab- zusetzen. Am Fusse des Berges entspringen Quellen, deren Wasser eine konstante Temperatur von 3 ½ Grad aufweisen und welche als die kältesten Europas gelten. Auch die Keller- wände des Gasthauses überziehen sich gerade in der heissesten Jahreszeit am stärksten mit Eiskrystallen; eine auf Grund dieses Sommereises angelegte Bierbrauerei ist indessen wieder eingegangen.

Warme Luft dagegen strömt aus den auf einem Drittel der Höhe gelegenen Spalten der aus dem Gerölle ragenden Basaltfelsen und er- wärmt den Boden so, dass selbst im härtesten Winter der Schnee sofort schmilzt und Was-

serdampf in die Höhe steigt. An solchen Stellen sollen in manchem Jahre im Februar blühende Kartoffeln gesehen worden sein. Auf- dee M fallend ist ferner, 5 dass an den entge- gengesetzten Abhängen der Dornburg eine entgegengesetzte Polarität des Kompasses beobachtet worden ist.

Eine Erklärung obiger auffallender Erscheinungen ist von vielen Seiten versucht worden, ohne dass indessen volle Klar- heit geschaffen worden ist ¹).

Wer vorzieht, anstatt nach Frickhofen zurückzukehren, vom Plateau der Dornburg weiter zu wandern, halte sich in nordwestlicher Richtung an dem sich etwas biegenden Haupt- wall, nicht dem Steinwall, entlang bis auf den nächsten veld. weg, dem er nach links folgt. Nach 2 Min. senkt sich der- selbe thalab und trifft nach weiteren 5 Min. auf eine von Süd- westen kommende Strasse, auf der man, rechts biegend, in

Westerbu

*) Vergl. Verhandl. der Ges. f. Erdkunde, Berlin, Bd. 8, Nr. 4, S. 160 u. ff. Ferner Jahrb. des Naturh. Vereins in Nassau IV., 164. Annal. 1, 2, 110, auch die Abhandlung von J. Troost:Die Dornburg und die praktische Ausnutzung, Coblenz 1873.