Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Elmsbachthal, Camberg. 165

säurehaltigen, aber eisenfreien Wassers besteht hauptsächlich darin, dass es bei geringem Verlust seines Kohlensäuregehalts auch den weitesten Transport verträgt. Schon im 16. Jahr- hundert rühmlich bekannt, wurde die Quelle im dreissigjährigen Kriege verschüttet und 1681 neu gefasst; die weite Verbrei- tung des Säuerlings beginnt aber erst in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Brunnen ist Eigentum des Fiskus, der ihn an ein Konsortium verpachtet hat(siehe Näheres darüber unter Fachingen, S. 184).

Für die, welche von der obern Lahn kommend, das Ems- thal aufwärts wollen, führt eine lohnende Fusswanderung in etwa 2 Std. von Aumenau nach Niederselters. Von dem Stationsgebäude des erstern Ortes wendet man sich links am Bahndamm entlang flussaufwärts, nach einigen Minuten an der Brücke vorbeigehend bei dem Wirtshause zur Lahnbahn rechts in das von Langhecke kommende Seitenthal und bald darauf rechts den Berg hinauf den schwarzen Punkten nach, welche über die Eisensteingrube Gottesgabe und das Dorf Münster auf die sogenannte Hessenstrasse führen, auf der man rechts biegend in etwa 40 Min. Niederselters erreicht.

21 km Bahnhof Camberg. Die Landstrasse, welche von Niederselters das Thal heraufführt, berührt die Pfarrdörfer Oberselters und Erbach und mündet unmittelbar in die am rechten Emsufer gelegene Stadt, während der Schienenstrang auf der entgegengesetzten Thalseite bereits die Höhen zwischen Ems und Wörsbach zu erklimmen beginnt, so dass das Stationsgebäude gute 10 Min. von der Stadt entfernt ist.

Camberg, Höhe über N. N. 210 m, Schnellzugsstation, ist Stadt des Regierungsbezirkes Wiesbaden, Kreis Limburg, mit 2386(überwiegend katholischen) Einw., mit einem Amls- gericht, einer Taubstummenanstalt mit Industrieunterricht und einer privaten höheren Knaben- und Töchterschule.

Gasthäuser: Gasthaus zum Guttenberger Hof, zum Nassauer Hof, zum Turm,(Wilh. Sendt, daher genannt Turm-Sendt). Bierbrauerei von Hausen, von Tering; Wirtsch. und Metzgerei Glössner.

Postamt in der Limburger Strasse, Telephonverbindung mit Frankfurt,

Wiesbaden, Mainz, Darmstadt u. s. w. Droschken für Tagestouren 16 Mk.

Die Stadt ist der Mittelpunkt des Fruchthandels im ge- treidereichen goldenen Grunde, und die Einwohner treiben vorwiegend Ackerbau. Sie wird zuerst 1156 erwähnt, 1281 von König Rudolf von Habsburg zur Stadt erhoben und 1357 durch Mauern und Türme befestigt. Das Oberthor, ein Turm und die Zwinger am zerstörten Unterthor nebst einigen Teilen der Stadtmauer sind Reste derselben. Die Kirche wurde im Jahre 1778 erbaut, wobei Altar und Kanzel der alten an die Kapelle von Oberselters abgegeben wurden, deren Schmuck