Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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164 Elmsbachthal, Niederselters.

entsendet. Das Thal des Emsbaches ist das weiteste und flachste aller Nebenthäler der Lahn und führt wegen seiner weiten Fruchtfelder und seiner Ertragsfähigkeit mit Recht den Namen des Goldenen Grundes, ist aber landschaftlich gerade deswegen weniger anziehend.

Die Landstrasse führt von der Frankfurter Vorstadt aus im S. den Greifenberg umgehend, welcher die von Anlagen umgebene Kreuakapelle trägt und hübsche Fernsicht gewährt, nach dem Dorfe Lindenholzhausen, überschreitet eine halbe Stunde weiter das Bahngeleise und den Emsbach, der hier einen Zufluss, den Wörsbach aufnimmt, am Fuss der einsam gelegenen, sehr alten Berger Kirche, dem Ueberbleibsel des ehemaligen Dorfes Bergen, welches 1490 durch die Pest verödete.

Die Eisenbahn benutzt bis zur Haltestelle Eschhofen den Bahnkörper der Hauptstrecke, um sich hier nach S. in das Thal des Emsbaches abzuzweigen, welcher ¼ Std. nördlich unterhalb des Dorfes Mühlen in die Lahn mündet.

10 km Haltestelle Niederbrechen. Das sehr alte Dorf, welches auf der rechten Bachseite liegt, war schon 893 im Besitz der Abtei Maximin bei Trier, kam dann an die Herrn von Molsberg und nach dem Aussterben dieses Geschlechts an Trier, welches den Ort befestigte. Reste der alten Mauern und Türme sind noch vorhanden. Bei dem Orte finden sich Marmorbrüche und Marmorfabriken. Von der Station der Lahnbahn Villmar erreicht man Niederbrechen zu Fuss in 50 Min., wenn man am obern Ausgange Villmars bei der kleinen Kapelle in den Fussweg links biegt.

12 km Haltestelle Oberbrechen, Dorf am Einflusse des Münsterbaches in die Ems, früher königliche Villa, die Ludwig das Kind 910 an die Limburger Kirche schenkte. Mit Limburg kam der Ort an Trier und 1802 ebenso wie Niederbrechen an Nassau- Weilburg. Von Villmar, dessen Filiale es ehe- dem war, führt ein Fahrweg, der ebenfalls am obern Ausgange dieser Stadt, aber bevor man an die Kapelle kommt, links abbiegt, in 1 Std. herüber.

16 km Bahnhof Niederselters. Der unterhalb der Station gelegene, etwa 2000 Einw. zählende Ort kommt als Saltarissa schon 772 vor. Ansässig war hier das Geschlecht der Herrn v. Molsberg, die bei ihrem Aussterben 1369 ihren Besitz an Churtrier vererbten. Berühmt ist der Ort durch seinen in der Nähe des Bahnhofes gelegenen Sauerbrunnen, welcher das echte Selterser Wasser liefert. Perlend und schäumend steigt es aus 4 gemeinsam gefassten Quellen auf, um in dem Tempelchen täglich in Tausenden von Krügen gefasst und versandt zu werden. Der Wert des prickelnden, stark kohlen-