Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Limburg, Dom. 159

Der Dom diente als Kirche für das Kollegiatstift wie für die Gemeinde, war daher ähnlich wie in der Marburger Elisabethen- kirche durch einen Lettner in zwei Teile geschieden, wodurch der Raum zwischen den Vierungspfeilern an den Chor herangezogen wurde und durch Dorsalwände gegen die Kreuzschiffe abgeschlossen war. Hier war daher auch der Platz des alten Gestühls. Da die Anzahl der Geistlichen, die ursprünglich ein gemeinsames Leben führten, sich bedeutend mehrte und bis auf 58 stieg, so suchten dieselben ausserhalb der Ringmauern der Kirche selbständige Woh- nungen in der Stadt; die alten Stiftsbauten, welche sich an den östlichen Teil der Kirche anlegten, kamen in den Besitz der Burg- herrn und wurden 1370 durch einen grossen Brand zerstört. Später, als die Einnahmen des Stiftes zurückgingen, sank die Zahl der Kapitelglieder immer mehr, zuletzt auf acht, bis das Stift durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 säkularisiert wurde.

Auf dem steilen Ost- und Südrande desselben Felsplateaus, auf welchem der Dom steht, erhebt sich das Schloss, eine Reihe zusammenhängender, aus verschiedenen Zeiten stammender Gebäude, die zwei in stumpfem Winkel aneinanderstossende Flügel bilden, architektonisch aber wenig bieten. Den ältesten Teil bildet ein grosser, viereckiger Wohnturm in der Mitte des Ostflügels mit drei überwölbten Geschossen aus dem 13. Jahrhundert.

Von den älteren Anlagen ist nichts vorhanden, auch lässt sich die Annahme, dass hier ein römisches Kastell bestanden habe, weder durch Altertumsfunde noch durch römische Mauerreste stützen. Doch besass schon der öfter erwähnte Graf des Niederlahngaus, Konrad Kurzbold, auf der Höhe die Lintburc= Wasserburg, von der er die Vogtei über das von ihm gegründete Stift übte.

Auf Grund dieser Stiftsvogtei entwickelte sich die weltliche Macht der Limburger Dynasten; als Reichslehen gelangt sie gegen Ende des 12. Jahrhunderts in den Besitz der Grafen von Isenburg, die seit 1246 eine besondere Linie Isenburg-Limburg bilden und unter denen wir eine stattliche Zahl von Burgmanns-Geschlechtern am Fusse des Burgberges angesiedelt finden. Eine Tochter des Geschlechts Imagina war mit dem Grafen und späteren deutschen Kaiser Adolf von Nassau vermählt. Um diese Zeit beginnt auch die Stadt Limburg, die im 13. Jahrhundert zuerst als solche be- zeichnet wird, emporzublühen. Im Jahre 1279 war die Bürger- schaft durch Handel und Gewerbe bereits soweit erstarkt, dass sie sich von der Herrschaft der Isenburger Grafen frei machen und dieselbe auf die Burg und die Schutzherrschaft über die Stadt beschränken konnte. Den Höhepunkt im Gedeihen der Stadt, welcher nicht zum wenigsten dadurch gefördert wurde, dass an dieser Stelle der Handelsweg von Frankfurt nach Köln die Lahn kreuzte die steinerne Brücke entstand um das Jahr 1315,