160 Geschichte Limburgs.
fällt in das folgende Jahrhundert, wo die Bürgerschaft sich der umwohnenden Landherrn mannhaft erwehrte und, wie wir dies am Gretenstein bei Villmar(S. 148) gesehen haben, die Burgen der Raubritter an der Lahn brechen half.„In dieser Zeit stand Lim- burg, die Stadt und die Burg, in grossen Ehren und Herrlichkeit von Leut und Reichtum, denn alle Gassen und Ahlen waren voll Leut und Guts und wurden geachtet, wenn sie zu Feld zogen, mehr denn 2000 Bürger und berittene Leut mit Panzer und mit Harnisch und was dazu gehört. Und zu Ostern, die Gottes Leich- nam empfingen, wurden geachtet mehr den 8000 Menschen“. Da- nach müsste Limburg mindestens 20 000 Einwohner gehabt haben, eine für die damalige Zeit ausserordentlich hohe Bevölkerungszahl. Die Nachricht entstammt den bekannten Fasti Limburgenses, einer Limburger Chronik aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts, welche die Zeit von 1336 bis 1398 umfasst und besonders nach kultur- geschichtlicher Seite hin wertvolle Beiträge zur Zeitgeschichte liefert. Der Verfasser ist der kaiserliche Notar Tilemann Elheln von Wolfhagen und schrieb sein Werk nach 1402 in deutscher Sprache.
Wie der meisten Städte, hat auch Limburgs Blüte im Mittel- alter nicht sehr lange gedauert. Durch Brand, Ueberschwemmungen und Seuchen wurde der Wohlstand und die Kraft der Bürgerschaft gebrochen, und als im Jahre 1406 der letzte Isenburger starb, zog der Erzbischof von Trier die ihm zu grossem Teil verpfändete Vogtei und Stadt an sich. Unter der geistlichen Herrschaft, die ihrerseits wieder Teile derselben verpfändete, verschwanden die Burgmänner, die reicheren Bürger zogen sich nach anderen Orten, besonders nach dem durch die Handelsbeziehungen vertrauten Frankfurt, wo jetzt noch das Haus Limburg von dieser Ansied- lung Kunde giebt. Während die umliegenden kleineren Terri- torien in der Reformationszeit zum grössten Teil evangelisch wurden, blieb Limburg wegen seiner trierischen Beziehungen katholisch und pildet noch heute den Mittelpunkt der katholischen Bevölkerung an der Lahn. In den Kriegen der folgenden Jahrhunderte hatte die Stadt viel zu leiden, im dreissigjährigen, im österreichischen Erbfolgekriege, im siebenjährigen Kriege wie in den französischen Revolutionskriegen war das Lahnbecken sehr oft der Tummelplat⸗z feindlicher Scharen; besonders verhängnisvoll war die dreitägige Schlacht an der Lahn am 15.—17. September 1796. Einen nachhaltigen Umschlag zum Bessern brachte das 19. Jahrhundert. Nachdem Limburg am 28. Dezember 1802 in den Besitz von Nassau-Weilburg übergegangen, zog 1827 der erste Bischof ein, dem die Katholiken Nassaus und der Sladt Frankfurt untergestellt wurden. Als gegen Ende der dreissiger Jahre sich der Bergbau an der Lahn bedeutend entwickelte, brachte die Regulierung des Wasserwegs eine Hebung des Verkehrs, besonders aber die Er-


