Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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152 Steeten, Dehrn.

im hinteren Teile aber vorwiegend Menschenknochen. Wahr- scheinlich war also die Höhle in ihrem vorderen Teile Wohn- platz, im hinteren dunkeln dagegen Beerdigungsplatz für Er- wachsene und Kinder.

Die zweite Höhle, welche sich 65 m thalabwärts an der senkrechten Felswand öffnet, ist niedriger und enger, aber tiefer und mehrfach gekrümmt. Ein Betreten derselben ist nur mit Licht zu empfehlen, wobei wegen der von oben und von den Seiten vorspringenden Felsen Vorsicht anzuwenden ist. Auf dem von keinem Löss, sondern nur von einer schwar- zen Schicht Erde und Steinen bedeckten Boden wurden un- bearbeitete Reste von Mammut und Renntier nicht gefunden, dafür aber eine dolchartige, 40,5 cm lange Waffe, wahrschein- lich aus einem Beinknochen des Mammut. Ausserdem wurden zahlreiche Steinmesser, geschabte und zugespitzte Knochen, Thonscherben in grösserer Anzahl als in der Wildscheuer, und Ueberreste von erwachsenen Menschen und Kindern zu Tage gefördert. Eine aufgefundene Pfeilspitze aus Bronce ist zweifel- los jüngeren Ursprungs. Wenn auch nach dem chemischen Verhalten die Mammutreste wahrscheinlich höheres Alter als die gefundenen Menschenknochen beanspruchen, so ist es immerhin möglich, dass der Urmensch von Steeten frische Mammutknochen bearbeitete.

In einer, 1882 entdeckten, dritten Höhle, die sich am Ende zu einer bequemeren Wohnung erweiterte, fand sich eine mächtige Ablagerungsstätte von Resten verzehrter Jagdtiere der Tertiärzeit und hinter einer dicken Steinwand im Hinter- grunde sieben erhaltene Menschengerippe, von denen drei nach Wiesbaden gebracht sind.

Zwischen den beiden senkrechten Felswänden, in denen sich die Höhlenöffnungen befinden, zieht sich eine steile und schwer ersteigbare Schutthalde aufwärts zu einem Plateau über dem Felsen, dem sogenannten Herrnplatz, dessen oberer Teil durch einen uralten Ringwall eingefriedigt ist Im Laufe der Zeit ist derselbe fast vollständig eingeebnet und um so schwerer bemerkbar, als dorniges Buschwerk den grössten Teil bedeckt; er lässt aber erkennen, dass auch von oben der Zugang zu den Höhlen gesichert war. Die gefundenen Reste des Renn- tiers, des Lemmings, des Schneehuhns und anderer Tiere der nordischen Fauna sprechen dafür, dass diese ersten Ansiede- lungen der Menschen im Lahnthal stattgefunden haben zu einer Zeit, als lappländisches Klima in Mitteleuropa herrschte.

2 km lahnabwärts erreicht die Sekundärbahn ihre End- station in dem Dorfe Dehrn an der Lahn, zu dem von Steeten aus eine Fusswanderung in 20 Min. führt. Wirtschaft von