Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Steeten, Dehrn. 451.

zahl Logierzimmern und den dazugehörigen Räumen Gästen eine behagliche Unterkunft gewährt, Den Rückweg nimmt man am besten auf der erwähnten Bahn, die in 22 Min. zu der Haltestelle Kerkerbach und damit zur Hauptlinie an der Lahn zurückführt.

Der Fluss, welcher sich von Runkel an hart an dem linksseitigen Bergrande hält, wird durch diesen abwärts des Bahnhofs Kerkerbach gezwungen, eine starke Biegung nach Norden zu machen, um das Limburger Becken zu erreichen. Die Kerkerbachbahn folgt dieser Flusskrümmung noch um zwei Stationen, Steeten und Dehrn, doch ist es auch für Fuss- gänger lohnend, dieser Krümmung auf der von Runkel auf der rechten Lahnseite entlang laufenden Chaussee zu folgen.

Hinter dem Dörfchen Steeten, der nächsten Station der Kerkerbachbahn, welches von der Station in 25 Min. zu Fuss zu erreichen ist, öffnet sich bei einem Kalksteinbruch die enge, malerische Schlucht des Tiefenbachs, eines auf dem Grunde sich hinziehenden schwachen Wasserfadens. Ueber eine Schutt- halde gelangt man rechts zu einer steilen Felsenwand, an der sich die Zugänge zu zwei Höhlen finden, rechts dem Wildhaus und links der Wildscheuer, der grösseren. Der Zugang zu den Höhlen ist sehr unbequem, und ihr Inhalt mag den einfachen Touristen enttäuschen, wenn auch die Eigenartigkeit und Ab- geschiedenheit der Landschaft nicht ohne Reiz ist, dagegen nehmen sie in naturwissenschaftlicher und anthropologischer Beziehung bedeutendes Interesse in Anspruch, weil sich hier die ersten Spuren menschlicher Ansiedlung im Lahnthal finden. Schon seit 1820 wurden hier zahlreiche Knochen gefunden, seit Oktober 1874 stellte der bekannte Altertumsforscher Oberst von Cohausen aus Wiesbaden eingehendo wissenschaftliche Untersuchungen beider Höhlen an, deren zahlreiche Ergebnisse in dem Museum zu Wiesbaden untergebracht sind.

Die grössere Höhle öffnet sich in einem spitzbogigen Por- tale von 6 m Weite und gleicher Höhe und hat eine Tiefe von 18 m. Die Fundstücke, welche Cohausen in der den Boden pedeckenden, vom Thale her eingeschwemmten Lössschicht aufdeckte, waren von höchster Wichtigkeit für die Frage, ob der Mensch auch in dieser Gegend, wie in so vielen anderen, gleichzeitig mit dem Mammut gelebt habe. Es fanden sich neben stark benagten Knochen von Mammut und Nashorn solche von der Höhlenhyäne und dem Höhlenbären, von Rind, Pferd, Schwein, Hirsch, Renntier, Luchs, Fischotter und Fuchs, sowie zahlreiche Reste von kleinen Nagern, Ein Bärenknochen war angebrannt, viele waren im frischen Zustande gespalten worden. Dazwischen eingestreut fanden sich Feuerstein- und Hornsteinmesser, Schaber, Aschenhaufen und rohe Thonscherben,