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grauen Türmen, welche zwischen den Häusern des enggebauten Ortes hervorragen, gewährt so recht das Bild eines mittel- alterlichen Dynastensitzes.
Wirtshäuser: Pundscher Garten von Thomas, zum Weinberg von Ger- hard, auch mit Garten, beide in der Nähe des Bahnhofs auf der rechten Bahnseite mit hübscher Aussicht auf die Burg, im Orte Zum Wiedischen Ho†, Zum Anker, Zur Traube, Brauerei zum Adter.
Post 2 Min. vom Bahnhof an der Gartenfeldstr.
Wahrscheinlich entstand die Burg um das Jahr 1100 und die Er- bauer nannten sich nach ihr Herren von Runkel. Ein Sifrid von Runkel wird 1159 erwähnt. 1492 gewann Dietrich IV. von Runkel durch Heirat die Grafschaft Wied und verschmolz beide Ge- schlechter zu einem, welches sich 1698 in die Linien Wied-Runkel und Wied-Neuwied teilte. Die Burg trotzte mancher mittelalterlichen Fehde, bis sie im Sommer 1634 nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen von den Kroaten Isolans erstürmt und nebst der ganzen Stadt unter Mordthaten angezündet und zerstört wurde.
Seitdem liegt der obere Teil der Burg in Trümmern, und nur der untere ist, wie uns eine In- schrift an einem Erker im inneren Schlosshof darthut, wieder auf- gebaut und dient zum Teil als Bürgermeisterei und Standesamt, während die ländliche Haushal- 3 Runkel. tungsschuleim Mittelbau eingericht ist. Hier befindet sich auch der Ahnensaal, das einzige Zimmer, welches eine Besichtigung lohnt; es weist eine Anzahl alter Möbel, sowie etwa 80 Oelbilder auf, welche meist Runkelsche Grafen und deren Verwandte darstellen. In diesem Mittelbau- führt eine dunkle Wendeltreppe zu einem reizenden Terrassengärtehen, von dem man einen hübschen Blick lahnaufwärts auf das beschrie- bene Denkmal hat. Auch ist der eine der Türme zugänglich, den Schlüssel erhält man beim Rentmeister. In den Kellereien des Schlosses lagert der berühmte„Runkeler Rotéu. Die Wein- berge, welche denselben liefern, liegen an den Berghängen des rechten Ufers und gehören sämtlich wie das Schloss den Fürsten von Wied-Neuwied, welche seit dem Aussterben der Runtelschen Linie 1824 im Besitze dieser Herrschaft sind- Dieser Familie entstammt die als Schriftstellerin unter dem Namen Carmen Sylva bekannte Königin von Rumänien.


