148 Villmar, Runkel.
werdens harren, die Nähe der Fabrik an, durch welche die Strasse mitten hindurch führt. Rechts liegt ausser dem Ver- packungshaus die Schneiderei, in welcher die Blöcke durch zahnlose, vermittelst Wasserkraft bewegte Sägen in Platten geschnitten werden, links die Hauerei und Schleiferei, wo den Marmorkörpern ihre Form und vermittelst Schmirgel und Blei ihre Politur verliehen wird. Die Besichtigung wird nach An- frage gern gestattet und ist sehr interessant. Die Villmarer Brüche haben zu vielen Prachtbauten im Nassauischen das Material geliefert.
Jenseits der Marmorwerke führt die Chaussee an einem wenig betriebenen Marmorbruche vorbei in 10 Min. zur Boden- steiner Ley, dem äussersten Vorsprung des westlich von Villmar gegen die Lahn vortretenden Bergrückens, welcher die Lahn zum Ausweichen, die Strasse zum Steigen zwingt. Das von L. Cauer gefertigte und, wie die hintere Inschrift sagt, auf Anregung des Landrats Bindewald 1894 nach dessen Tode von seinen Preunden errichtete Denkmal stellt König Konrad I. die Front nach Villmar gerichtet, dar. Die statt- liche Gestalt ist von einem Mantel umwallt, die Rechte stützt sich auf das mächtige Schlachtschwert, während die Linke die Krone hält, die er sinnend betrachtet, entsprechend der Inschrift:„Conrad I. 911— 918 deutscher König und Graf des Lahngaus übertrug in treuer Sorge für des Reiches Sicher- heit und Macht sterbend Heinrich von Sachsen Krone und Herrschaft“. Von dem Denkmalsfelsen hat man eine reizende Aussicht sowohl aufwärts gegen Villmar wie abwärts gegen Runkel, wohin die Chaussee in starker Biegung, eine Schlucht umwindend, in etwa 35 Min. flussabwärts führt. Auch von der Bahn, die am rechten Ufer dem Plusse folgt, hat man einen schönen Blick auf das Denkmal und den zum Wasser stürzenden Felsen, dessen Fuss die Wellen umspielen.
21,6 km Bahnhof Runkel, Höhe über N. N. 120 m, liegt auf dem rechten Ufer und ist mit dem Orte durch eine alte, auf drei mächtigen Pfeilern ruhende Steinbrücke verbunden.
Runkel, Stadt des zum Regierungsbezirk WMiesbaden ge- hörenden Oberlahnkreises, mit 1053 meist evangelischen Ein- wohnern, ist Sitz eines Kgl. Amtsgerichts, emer Oberförsterei, eines Fürstl. Wiedischen Rentamtes. Im Schlosse befinden sich Teile des Archives des Fürsten zu Wied-Runkel aus den Jahren 1500 bis 1824, ausserdem eine Haushaltungsschule für junge Mädchen. Das alte Städtchen mit seinem, das ziemlich enge Thal überragenden Schlosse, das teilweise noch bewohnt ist, pietet einen überaus malerischen Anblick dar. Das trotzige, dunkle Gemäuer mit den wenigen Fenstern, den drei hohen,


