Villmar. 147
dem rechts auf dem Berge liegenden Kirchdorf Arfurt die Lahn, und erreicht, nachdem sie an der Flusskrümmung einen Tunnel durchfahren, die nächste Station.
18,7 km Bahnhof Villmar, Höhe über N. N. 121,4 m. Der Weg, von dem man einen Ausblick in die schroff gegen den Fluss vorstossenden Kalksteinfelsen mit ihren Marmorbrüchen hat, führt vom Stationsgebäude links in einer Kehre zu der eleganten, 1896 vollendeten Sandsteinbrücke, welche den auf dem linken Lahnufer gelegenen Ort mit der Bahn verbindet.
Wirtshäuser: Gasthaus zum Zahnthal, unmittelbar an der Brücke ge- legen, mit Veranda, 4—5 Logierzimmer, Pens. 3 Mk., oben im Orte Germania
mit Garten, Zum deutschen Kaiser mit Garten, nahe der Bürgermeisterei, Zum Nassauer Hof, Zum grünen Baum.
Villmar ist ein zum Oberlahnkreise des Regierungsbezirks Wiesbaden gehöriger Flecken von 2047(meist katholischen) Einwohnern, welcher besonders durch seine Marmorbrüche und die daran anschliessende, in den letzten Jahren stark auf- plühende Marmorindustrie bekannt geworden ist. Sehr hübsch ist die Lage der nach einem Brande von 1884 restaurierten Kirche auf der Höhe nebst dem links daneben befindlichen schlossähnlichen katholischen Pfarrhause, hinter denen sich die Häuser des Ortes ausbreiten. Beide liegen im Bezirk des ehe- maligen St. Matthiasstiftes, an welches noch verschiedene Bau- lichkeiten, unter anderen der Mattheiser Turm, erinnern.
Dem Trierer St. Euchariusstift, welches später in das St. Matthiasstift überging, wurde 1053 Villmar vom Kaiser Heinrich III. geschenkt. Die die Vogtei über das Stift ausübenden Grafen von Isenburg bauten daselbst eine Burg, welche im 14. Jahrhundert Sitz einer gefährlichen Wegelagerei wurde, so dass die verbündeten Rheingauer und Wetterauer Städte 1359 den Ort eroberten und gründlich zerstörten. Als Graf Philipp von Isenburg nach Wieder- herstellung der Villmarer Feste auf dem am gegenüberliegenden Ufer sich erhebenden Berge die Zwingburg Gretenstein, nach seiner Gemahlin Margaretha genannt, erbaute, wurde dieselbe von den Limburgern sogleich berannt und zerstört. Vom Greltenstein ist nichts übrig geblieben, während von den Villmarer Befestigungen noch Spuren vorhanden sind. Die Besitzungen des St. Matthias- stiftes wurden beim Reichsdeputationshauptschluss dem Fürsten von Wied-Runkel als Entschädigung für die verlorenen links- rheinischen Besitzungen überwiesen.
Wer den Marmorwerken von Dykerhoff& Neumann einen Besuch abstatten will, verbindet dies am besten mit dem Aus- flug nach der Bodensteiner Ley, auf welcher das Denkmal König Konrads I. steht. Von der Brücke ab geht man’ rechts die Chaussee, welche von hier den Fluss wieder auf dem linken Ufer zu begleiten beginnt, thalabwärts; bald kündigen die aufgestapelten mächtigen Marmorquadern, die des Zersägt-
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