Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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146 Fürfurt, Aumenan.

der tiefsten Einsamkeit den Eindruck erhöben. Nur von Leit zu Zeit winken ihm von der Höhe die Dächer und Giebel der Ortschaften, die unten keinen Platz haben finden können, zu- nächst vom rechten Ufer her das Dorf Odersbach(früher Odensbach oder Odinsbach), ein beliebtes Ausflugsziel für Weil- burger Spaziergänger, schräg gegenüber das Dorf Kirsch- hofen auf einer Bergzunge, welche die Lahn im spitzen Winkel umfliesst, um in südöstlicher Richtung dem sich entgegen- stellenden mächtigen Scheuernberger Kopf auszuweichen, wäh- rend die Bahn in einem langen Tunnel unter dem Berge ver- schwindet. Weiterhin erscheint links auf der Höhe das Dörf- chen Gräveneck mit den kaum noch sichtbaren Ruinen der gleichnamigen Burg. 1385 war hier von dem benachbarten Pandesherrn die Steuerburg erbaut worden, um den verwegenen Uebergriffen der in der gegenüberliegenden Wasserburg Neu- Plkerhausen sitzenden Raubritter zu steuern, wurde aber schon ein Jahr darauf von dem kecken Gegner gewonnen und ver- brannt. Zehn Jahre später erstand sie wieder unter ihrem jetzigen Namen und wurde meistens von nassauischen Burg- mannen bewohnt, bis sie, von ihren Insassen verlassen, der Gemeinde Gräveneck das Material zum Bau eines Hofhauses liefern musste. In alles dieses gewährt die Bahnfahrt gar keine oder nur sehr flüchtige Einblicke.

8,2 km Station Fürfurt, an dem Bahnkörper grössere Fabrikanlage, die neuerdings in eine solche für Farbwerke um- gewandelt ist; rechts auf der Höhe das Dorf Falkenbach. Von Fürfurt abwärts weitet sich allmählich das Thal, ein Deldweg führt an der Bahn entlang, die Berge werden nied- riger und treten zurück und lassen hie und da Platz für Wiese und Ackerfeld, bis sie Raum für das grosse Dorf Aumenau gewähren.

12 km Bahnhof Aumenau, Höhe über N. N. 126 m, Bahn- hofrestauration, bedeutender Verladeplatz für die in einem Seiten- thal bei Langhecke gebrochenen Schiefer, sowie für die zahl- reichen Phosphorite und Eisensteine, welche in der Nähe ge- fördert und zum Teil durch eine etwas unterhalb einlaufende Drahtseilbahn herangeschafft werden. Das ansehnliche und freundliche Dorf, Gasthäuser von Müller und Lehnhardt, liegt auf dem rechten Ufer 10 Min. aufwärts und ist mit der Station durch eine hübsche, auf Marmorpfeilern ruhende Brücke ver- bunden, welche 1870 erbaut worden ist. Die Lahn nimmt bei Aumenau ihre alte Richtung von Osten nach Westen wieder auf, die sie allerdings mit starken Krümmungen pis oberhalb Diez beibehält. Auch hier bildet der durch Wiesen führende Leinpfad im Thal für den Wanderer zunächst die einzige Ver- bindung. Die Bahn überschreitet zwischen der Station und