140 Der Westerwald.
finden, die dem Westerwaldführer, herausgegeben vom Wester- wald-Club(Peis 2 Mk.), entnommen sind.
Der Westerwald ist ein Hochplateau, welches in drei Ter- rassen aufsteigt. Die oberste heisst der hohe Westerwald. Er bildet die Wasserscheide zwischen Lahn, Rhein und Sieg, ist ziemlich eben und mit weiten, zum Teil fruchtbaren Aeckern und Wiesen bedeckt, aus denen kleine Gehölze, Hecken ge- nannt, und zahlreiche Dörfer inselartig hervortreten. Selbst über die höchsten Erhebungen, den Fuchskauten und den Sala- burger Kopf, zieht der Pflug. Dieser Teil des Westerwaldes bietet somit ausser der Fernsicht, welche man von seinen Höhen hat, keine landschaftlichen Reize. Anders ist es mit dem zwei bis drei Stunden breiten Gürtel, welcher die oberste Terrasse umschliesst. Hier erheben sich nordöstlich und häu- figer noch südwestlich vom hohen Westerwalde Basaltberge mit ihren wunderbaren, engzusammengefügten Säulen oder ihrem weitverbreiteten Geröll. Meist sind sie mit Laubwald bedeckt und oft mit Burgen oder hohen Ringwällen versehen. In dieser Zone liegen Marienberg, Westerburg, Beilstein. Die unterste Terrasse umgiebt die mittlere in verschiedener Breite und ist wie die obere ziemlich eben und wenig bewaldet. Die Thäler des Westerwaldes sind im allgemeinen flach. Nur die Nister, der Gelbach und die kleinen Flüsse, welche sich in den Rhein ergiessen, schneiden tief in das Bergland ein und gewähren in ihren vielfachen Windungen und mit ihrem dichten Laub- wald reizende Landschaftsbilder. Die Bewohner, ein schlanker Menschenschlag, beschäftigen sich hauptsächlich mit Acker- bau und Viehzucht(Rinder, Schweine und Schafe). Ihre Felder bestellen sie mit Kühen, die grösseren Grundbesitzer auch mit Ochsen. Der fruchtbarste Boden befindet sich im Elbthal. Hier gedeiht der Weizen in üppigster Weise. In den übrigen Gegenden sind Hafer, Gerste und Kartoffeln die hauptsächlich- sten Feldfrüchte. Bei Rennerod wird ausserdem vorzüglich Kappus und bei Höhr Hopfen gebaut. Obst gedeiht auf dem hohen Westerwald nicht.
Wenig über 1 km unterhalb Weilburg bei der Sommer- frische Guntersau mündet der Fluss, welcher der Burg, und damit der Stadt ihren Namen gegeben hat. Die Weil entspringt auf dem Westabhange des Grossen Feldbergs und bildet sich in nördlicher Richtung zur Lahn hin ein etwa 9 Stunden langes Thal, welches von einer vorzüglichen Landstrasse durchzogen, mit seinen wohlhabenden Dörfern, seinen malerischen Ruinen und dem dauernden Wechsel von Feld, Wiese und Wald von Norden her einen ebenso bequemen wie reizvollen Zuweg zu der beherrschenden Kuppe der Taunuskette gewährt, die mit einer Meerhöhe von 880 die bedeutendste Erhebung des gesam-


