Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen

136 Gang durch Weilburg.

Das dem Anfang des 18. Jahrhunderts entstammende halb- runde Orangeriehaus vermittelt die Verbindung mit der äusser- lich nüchternen, im Innern aber reich ausgestatteten, 1711 eingeweihten Schlosskirche, die aber auch als Stadtkirche dient und so in hübscher Weise symbolisch eine Vermittelung zwischen Schlossbewohnern und Bürgerschaft darstellte. Neben der Kirche befindet sich der Haupteingang zum Schlossgarten, welcher jedermann zugänglich ist, aber auch vom Schlosshof aus betreten werden kann. In dem obern, dem Schlossgebäude zunächst gelegenen Teile, der mit seltenen und schönen Bäumen angelegt ist, befindet sich ein 1896 gesetztes Denkmal des Grafen Johann Ernst von Nassau-Weilburg, des Schöpfers

eines grossen Teils dieser Anlagen. Auf zwei breiten Freitreppen

steigt man hinab zu dem Lustgarten, an den sich abwärts eine zweite mit Springbrunnen versehene Terrasse schliesst. Von beiden hat man einen reizenden Blick auf die Lahn hin- unter und das gegenüberliegende waldige Gelände.

Die Westseite des Berges nimmt vorwiegend die Altstadt ein, deren meist kleine, aber sauber und akkurat gehaltene Häuser, ihrem Stil nach meist der Mitte des 18. Jahrhunderts angehörend, nur selten von einem grösseren herrschaftlichen unterbrochen werden. An die Kirche ist das Rathaus angebaut mit einer gegen den Markt sich öffnenden Säulenhalle. Von ihm gehen eine Anzahl Gassen aus, die alle in die die Stadt von der Westseite umfassende Mauerstrasse auslaufen. Dieselbe führt uns durch die Vorstadt nach dem Landthor, einem dem römischen Triumphbogen im kleinen nachgebildeten Bau, welches früher die Stadt nach dieser durch den Fluss nicht bewehrten Seite abschloss. Jetzt liegen an der Frankfurter Chaussee, welche über die Bergkehle nach O. läuft, stattliche Häuser, deren Zahl in stetem Zunehmen begriffen. Gleich rechts trifft man auf den Eingang zum Kirchhof in herrlicher Lage über dem Flusse. Eine alte, mit Laub umsponnene Kapelle, sowie ein Denkmal der 1870 und 71 gefallenen Krieger fesselt hier den Blick. Wenig weiter aufwärts zweigt von der Chaussee rechts zwischen dem von Dungernschen Hause und der neuerbauten Villa des Reichstagsabgeordneten Mischke der Weg nach dem Webersberg ab, einer bekannten Gartenwirt- schaft mit schöner Aussicht. Ein Weg führt weiter auf den bewaldeten Gänsberg mit einem Schutztempel des Taunus-Klubs und abwärts zu der Sommerfrische Guntersau.

Sehr lohnend und in kurzer Zeit ausführbar ist ein Umgang über die die Stadt im W. und S. umkränzenden Wald- höhen jenseits der Lahn. Wenn man von der Stadt kommend die Lahnbriücke passiert hat, biegt man links den Fluss ab- wärts und trifft nach reichlich 5 Min. auf eine Tafel, welche