Weilburg, Schloss. 135
Vorbaue, zahlreiche Erker und Dachgiebel eine reiche und mannigfaltige Gestaltung empfangen haben.
Zur Besichtigung der Schlossräume, die zum Teil noch reich und geschmackvoll ausgestattet sind und deren Zahl 320 beträgt, wendet man sich an den rechts im Hof wohnenden Schlossdiener, welcher durch eine Schelle herbeigerufen wird und gegen ein Trinkgeld die Führung übernimmt. Vom Hofe aus gelangt man zu den im östlichen Flügel gelegenen, leider nicht ausgestatteten Rittersaal mit einer Reihe runder Schafte und mit Sternge- wölben, deren einfach hohlge- gliederte Rippen aus den Schaften in schräger Rich-uͤͤ- tungherauswach- 1 sen. An der süd- lichen Schmal- seite des Saales ist ein längere Zeit als Schloss- apotheke einge- richtet gewese- nes quadrati- schesGemach mit Sterngewölbe ab- Weilburg. getrennt, dessen Schlussstein die Zahl 1560 trägt. Von den übrigen Räumen des Schlosses sind besonders zu nennen das Treppenhaus, über dessen Geländer 1816 Fürst Friedrich Wilhelm hinunterstürzte; das Gesellschafts=immer mit roten Seidentapeten in reichen Gold- rahmen und Möbeln im Stil des Empire. Ein Gemälde von David stellt Napoleon I. im Krönungsornate mit goldenem Lorbeerkranz auf dem Kopfe dar; auf der andern Seite Kaiser Adolf von Nassau und Katharina II. von Russland. Ferner ein Schlafzimmer mit gelber Seidentapete und grossem aus der Rhein- Nacht des Kurfürsten von Trier stammenden Himmelbett, an den Wänden einige wertvolle Porträts Wilhelms v. Oranien, des Grossen Kus fürsten u. s. w.; vor allem der Thronsaal in reichster Ausstattung mit den hellroten Sammettapeten, reichen Damastportieren mit Goldstickereien, schwer vergoldeten Möbeln und dem Thronhimmel von roter Seide. Hier haben die Franzosen unter Custine die oben erwähnten Vandalismen verübt. Ein wertvolles Gemälde von Tischbein, den Fürsten Friedrich Wilhelm im Kreise seiner Familie darstellend, ziert die Wand.
n. X. v. P. Flum Weoilburg.


