134 Gang durch Weilburg.
als Privatbesitz die Schlösser von Bicbrich und Weilburg, die jetzt, nachdem der greise Fürst 1890 noch die Regierung des Grossher- zogtums Luxemburg übernommen, unter grossherzoglich luxem- burgischer Verwaltung stehen. Doch hat weder der Grossherzog noch ein Mitglied seiner Familie es über sich gewinnen können, unter dem neuen Regime dem alten Stammsitze einen Besuch ab- zustatten. Dass Weilburg durch diesen Wechsel in seiner Ent- wickelung keinen Nachteil davongetragen, zeigt das Aussehen der Stadt, welches durchgehends auf den Besucher einen soliden, be- häbigen und wohlhabenden Eindruck hervorruft.
Vom Bahnhofe führt die Bahnhofstrasse, von der sich rechts die Wilhelmstrasse abzweigt und mit neuen stattlichen Häusern besetzt sich den Berg hinaufzieht, über Gartenanlagen hin, die links in Terrassen zum Fluss hinabstei- gen, wührend auf der gegenüber- liegenden Seite der umbuschte Schlossfels, das Gebück genannt, steil zum Wasser hinunterstürzt, an dem schönen Hostgebäude vor- bei zur alten
Weilburg. Lahnbrücke. Die breite Landstrasse, welche kurz vorher rechts abbiegt, ist die Chaussee nach Limburg und nach dem Westerwalde. Jenseits des Flusses steigt man die Niedergasse aufwärts und geht entweder dem Fahrweg nach bis zum Kriegerdenkmal vor dem Komöödienhause, jetzt die Aula des Gymnasiums enthaltend, um beim Gasthaus Zur Traube in die Neugaese einzubiegen, oder man biegt vorher links die steile Ritsche aufwärts, um durch die Langgasse ebenfalls in die Neugasse zu gelangen. Dieselbe führt geradeswegs über den mit Bäumen bestandenen Schlossplatz, an dem wasserlosen Delphinbrunnen, dem runden Turm und den Gewehrständen der früheren Schlosswache vor- bei in den geräumigen, fast quadratischen Hof des obern Schlosses. Dieser ältere Teil, dessen Bauten zum Teil, wie die eingehauenen Zahlen angeben, vom Grafen Philipp III. Mitte des 16. Jahrhunderts aufgeführt sind, ist ein gross- artiges und interessantes Werk der Frührenaissance mit vielen gotischen Erinnerungen und besteht aus vier den Hof ein- schliessenden Flügeln, die durch einen grossen Turm, mehrere


