Geschichte Weilburgs. 133
Lateinschule, aus der später das Gymnasium hervorgegangen ist. Grausam war das Schicksal der Stadt während des dreissigjährigen Krieges, wo sie wiederholt, 1635 sogar dreimal in einem Viertel- jahr, von den Spaniern und Kaiserlichen erstürmt und geplündert wurde, so dass am Schluss des Krieges nur noch acht Personen darin zurückgeblieben sein sollen. Ein Sohn der Stadt, der be- kannte Kulturhistoriker W. H. Riehl, giebt uns in seiner Novelle „Fluch der Schönheit“e, welche sich unter seinen Geschichten aus alter Zeit findet, eine lebensvolle Schilderung von den Zuständen in derselben vor dem Ende des Krieges. Eine andere, die kultur- geschichtlichen Novellen eröffnende Erzählung desselben Verfassers versetzt uns nach Weilburg zur Zeit des siebenjährigen Krieges, dessen Wetter ohne grösseren Schaden an dem Orte vorüberzogen, während im Jahre 1792 die Franzosen unter Custine in Stadt und Schloss auf das rücksichtsloseste brandschatzten. Die Spuren jener vandalischen Thätigkeit bewahrt noch jetzt der Thronsaal, wo der Obergeneral eigenhändig ein viereckiges Stück aus dem roten Samt der Tapeten ausschnitt, während die Offiziere die Goldborten der Portieren abrissen und mitnahmen. Während der napoleonischen Zeit gehörten die bedeutend vermehrten und zu einem Herzogtum verschmolzenen nassauischen Lande zum Rhein- bunde unter der gemeinsamen Herrschaft des Fürsten Friedrich Wilhelm von Weilburg und des Herzogs Friedrich August von Nassau-Usingen. Als nach Wiederherstellung der alten Zustände der erstere am 8. Januar 1816 durch einen Sturz im Schlosse ein frühes Ende fand und wenige Wochen später Herzog Friedrich August ihm ohne männlichen Erben in den Tod folgte, wurde der junge Fürst Wilhelm von Weilburg alleiniger Landesherr und nahm den Titel Herzog von Nassau an. Er verlegte seine Resi- denz nach Biebrich am Rhein, und Weilburg trat namentlich hinter Wiesbaden immer weiter zurück, wenn auch eine Anzahl Behörden hier bestehen blieb und ihm zum Ersatz eine Garnison von zwei Bataillonen und ein Landesgymnasium gegeben wurde. Segensreich für die Stadt und die Hebung ihres Wohlstandes war vor allem die Regulierung der Lahnschiffahrt vom Jahre 1846, welche die Lahaschlinge und das Wehr durch einen durch die Bergkehle geführten Schiffahrtstunnel zu vermeiden wusste, sowie durch die 1862 erfolgte Eröffnung der Lahn-Eisenbahn, wodurch Weilburg mit einem Male mit den grossen Verkehrsstrassen in Ver- bindung gesetzt wurde. In die mächtige Umwälzung der deutschen Verhältnisse 1866 wurde auch Nassau hereingezogen, als der Herzog 4dolf I., welcher seit 1839 regierte, sich auf Oesterreichs Seite stellte. Sein Land wurde infolgedessen von Preussen: annektiert und mit dem Kurfürstentum Hessen zu der neuen Provinz Hessen- Nassau zusammengefügt, in welcher es mit Frankfurt a. M. den Regierungsbezirk Wiesbaden bildet. Indessen behielt Herzog Adolf


