Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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links der Chaussee nach, so kommt man in einer Viertelstunde nach Biskirchen, einem an der Mündung des Ulmbach gelegenen grösseren Pfarrdorf; Gasthaus von Lotz, Gasthaus zum Preussi- schen Adler, zum Deutschen Kaiser. 5 Min. oberhalb des Ortes entspringt im Bachthale der Gertrudisbrunnen, eine dem Fürsten von Braunfels gehörige wohlschmeckende Mineralquelle, deren Wasser in der Umgegend viel getrunken wird. Eine gute Strasse führt das Ulmthal aufwärts über Allendorf, Ulm, Holzhausen, Wallendorf in 2 ½ Std. nach Beilstein (s. S. 115).

20,2 km Bahnhof Löhnberg, Höhe über N. N. 138,7 m. Die Bahn von Wetzlar her hält sich auf dem rechten Lahn- ufer. Bald nachdem man Biskirchen passiert hat, sieht man links unmittelbar am Bahndamme die Gebäude der 1892 erbohrten St. Georgsquelle. Wenig weiter abwärts ebenfalls in den Lahnwiesen liegt auf der andern Seite des Flusses der Original-Seltersbrunnen, welcher, wie der vor mehreren Jahren erschlossene neue Selters-Sprudel, seinen Namen nach dem am Bergabhauge links von der Bahn gelegenen Dörfchen Selters führt. Um die Konkurrenz des Namens abzuschneiden, wurde die erstere von dem Berliner Konsortium Siemens& Komp., welche die berühmten Quellen von Fachingen, Nieder- selters und Geilnau gepachtet haben, aufgekauft; die Versand- stelle befindet sich in der Nähe des Bahnhofs Löhnberg.

Der Flecken Löhnberg, Wirtschaften von Ochs, Böhm, Neu, Knodt, zur Krone, alle an der Hauptstrasse, liegt auf einem Bergvorsprung, welcher sich zwischen Lahn und dem Venter- resp. Kahlenbergbache einschiebt und das Leuner Becken auf der rechten Flussseite abschliesst, während sich auf der linken bereits beim Dorfe Selters ein Waldrücken mit zum Teil steiler Felswand unmittelbar an den Fluss drängt. Das Schloss, ein alter zweiflügeliger Steinbau ohne wesentliche Gliederung von spätest gotischen Formen, liegt auf dem öst- lichen Bergvorsprunge und schaut beherrschend in das weite Wiesenthal. Es ist eine Gründung des Grafen Johann von Nassau-Dillenburg aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, der hier auf dem Steinfelsen die Lahneburg= Löhneburg, anlegte. Jetzt ist es teils Gemeinde- teils Privatbesitz und wird als Scheune und Wirtschaftsgebäude benutzt. Vor dem Schlosse breitet sich auf dem Berge der Ort mit holperigem Pflaster, nur hier und da fesselt den Blick ein hübsches Hausornament. Durch die vom Bahnhof aufwärts führende Hauptstrasse wird ein bedeutender Fuhrmannsbetrieb vom Westerwald her vermittelt. Die Strasse bildete einstmals die Grenze gegen das Weil- burgische Gebiet. Unterhalb des Bahnhofes liegt die gross- artige Löhnberger Aktienmühle mit Fruchtspeicher.