Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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114 Greifenstein.

anfangs über Feld, dann durch Wald nach dem Dorf und der Burg führen.

Greifenstein war der Sitz des gleichnamigen Dynastenge- schlechts, welches im 12. und 13. Jahrhundert das untere Dillge- biet beherrschte. Erwähnt wird es zuerst mit Meribodo von Greifenstein im Jahre 1160. In den Kämpfen um die Königs- herrschaft nach dem Tode Rudolfs von Habsburg standen die Greifensteiner auf seiten Albrechts von Oestreich, ihre Burg wurde daher von den Solmser und Nassauer Grafen gebrochen, sie selbst aus ihren Besitzungen vertrieben, und wenn auch nach dem Tode Adolfs von Nassau der Habsburgische König ihnen die Berech- tigung erteilte, ihre Burg wieder aufzubauen, vermochten sie doch gegen die mächtigen Nachbarn nicht aufzukommen.

Das Geschlecht verscholl im Laufe des 14. Jahrhunderts, seine Güter aber blieben während dieser Zeit ein Zankapfel zwischen den Grafengeschlechtern von Solms-Burgsolms und Nassau- Dillenburg, während die Burg wohl nur notdürftig wieder auf gerichtet wurde. Nach dem Aussterben der Burg-Solmsschen Linie fiel die Burg Greifenstein in der Teilung von 1420 an die Grafen von Solms-Braunfels, welche dieselbe behaupteten und ausbauten. Eine vollständige Umgestaltung aber erfuhr sie unter dem Grafen Wil- helm I., welch 1602 eine neue Linie Solms-Greifenstein eröff- nete und seinen neuen Sitz der- art befestigte, dass er einer der stärksten Plätze Westdeutsch- lands wurde und den Stürmen . des dreissigjährigen Krieges er-

5 5 folgreich zu widerstehen ver- Greifenstein. mochte. Auch Ludwigs XIV. grosser Feldherr Turenne lag 1673 vergeblich vor dem Greifen- stein. Die gastliche Aufnahme, welche ihm nach aufgehobener Belagerung in der Burg zu teil wurde, soll Anlass gegeben haben zu dem Greifensteiner Spruche:O Greifenstein, du edles Haus, nüchtern hinein und trunken heraus. Die Sage erzühlt, Graf Wilhelm II. habe seinem Gaste angeboten, er wolle ihm die Burg übergeben, wenn jener an jedem Thore einen Becher Wein zu leeren vermöge. Lange bevor er den Umtrunk an den 22 Thoren des Schlosses vollendet, habe der französische Marschall