Kalsmunt. 105
menden Höhen krönnen. Den Hintergrund bildet nach dieser Seite die Kuppe des Dünsberges, dessen weit sichtbarer Aus- sichtsturm beherrschend auf die ihm vorgelagerten Ausläufer des Westerwaldes nieder blickt. Nördlich von ihm treten niedrigere Erhebungen hervor, zwischen denselben das bei guter Beleuchtung scharf sich abhebende Schloss von Hohen- solms. Rings sind alle Höhen mit Wald bedeckt, an den Hängen weite Kornbreiten, die sich zu zahlreichen, den Thal- rand säumenden Dörfern hinabsenken.
Im N. dehnt sich zu den Füssen des Beschauers die weite Niederung, durchzogen von vielen, aus Lahn und Dill gebildeten Wasseradern, die sich alle in der Nähe der Starken- weide zu einem Strome vereinigen. Sie umklammern die beiden Vorstädte, welche unter sich und mit der Altstadt durch massive Steinbrücken verbunden sind, während weiterhin das Bahn- geleise die hemmenden Wasserläufe in leichterem Sprunge zu überwinden weiss. Gegen W. hin schlängelt sich, dem Leibe einer schillernden Riesenschlange vergleichbar, der ungeteilte Lahnftuss durch grüne Wiesen an rauchenden Schloten, den Schornsteinen des Hochofens von Burgsolms vorbei, bis die sich zusammenschiebenden Berge seinen Lauf zu hemmen scheinen. Ueber ihm hängt, wo er hart an die rechtsseitigen Bergwand stösst, das malerisch gelegene ehe- malige Kloster Altenberg, über dem in der Ferne aus dem Waldmeere heraus der Turm der Dianaburg sich erhebt, ein Platz so recht gemacht, um der Weidmannslust im ver- schwiegenen Waldesdickicht nachzugehen. Rechts von Alten- berg, neben den Kalksteinbrüchen des ehemaligen Dorfes Dal- heim, welche mit den Buderusschen Hochöfen durch eine Draht- seilbahn verbunden sind, erkennt ein gutes Auge einen ein- fachen Obeliskten, den Denkstein einer siegreichen Schlacht, welche am 15. Juni 1796 Przherzog Karl den Franzosen unter dem Obergeneral Jourdan lieferte. Darüber werden bei güns- tiger Beleuchtung die schimmernden Ruinen der Burg Greifen- stein sichtbar, die aber bei bedecktem Himmel in den grünen Laubwellen sich bergen.
Im SW. schliesst sich der Kalsmunt mit mässig sich senkender Kehle an die Ausläufer des Taunus, welche die Lahn auf dem linken Üfer begleiten, und von denen zu unsern Füssen eine bebuschte Bergzunge, der Weinberg, scharf gegen das Thal einspringt, überragt von den fernen Türmen des Braunfelser Fürstenschlosses. Gegen S. steigt das Bergland allmählich zu beträchtlicher Höhe, bis es in blauer’ Ferne in die den Gesichtskreis fein umgrenzenden Linien des hohen Taunus verläuft. Die höchste sichtbare Erhebung ist der grosse Feldberg, und bei klarem Wetter sieht man ohne Mühe


