Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
Seite
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106 Wetzlar, Stoppelberg.

die Häuser auf seiner Kuppe. Im Vordergrund gräbt sich der IWetzbach eine tiefe, von saftigen Wiesen gefüllte Thalfurche, jenseits deren die mächtige Masse des Stoppelberges mit seinen sanft sich abdachenden bewaldeten Ausläufern den Raum füllt, in der unmittelbaren Umgebung die bedeutendste Bodenerhebung.

Für den Rückweg zum Bahnhof kehren wir zum Eisen- markt zurück; von ihm führt die Lahngasse, trotz ibrer Enge eine der verkehrsreichsten Strassen, zu der alten steinernen Brücke, die schon vor mehr als einem halben Jahrtausend, die erste Erwähnung findet sich in einer Urkunde von 1288, die Verbindung zwischen beiden Ufern herstellte. Hübscher Ausblik von ihr nach beiden Seiten. Geradeaus leitet die Strasse an der Hospitalkirche vorbei zur Neustadt, rechts biegend dagegen durch die breite Langgasse in die Bahnhofs- allee, in der wir an einer Reihe stattlicher Häuser, unter ihnen das optische Institut der Gebrüder Seibert und das 1888 erbaute Kreishaus, vorüber zu unserm Ausgangspunkt zurück- gelangen.

Auch die Cmgebung Wetzlarsist überaus ansprechend und die zahlreichen Aussichtspunkte, zu denen man auf den Spazier- gängen gelangt, bieten mit der Stadt im Mittelpunkte stets ein geschlossenes, oft überraschend schönes Bild. Wer jemals über die Höhen gewandert ist, wenn in der Morgensonne das Thal im Frühlingsgewande prangt, die den Blick begren- zenden Wälder ins erste lichte Grün sich kleiden, und überall über Gärten und Felder der Blütenschnee sich breitet, der wird den bewundernden Ausruf Goethes verstehen, dass ringsumher eine unaussprechliche Schönheit der Natur aus- gegossen sei.Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauss von Blüten, und man möchte zum Maikäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.

Neben dem Kalsmunt verdient vor allem der Aussichts- lurm auf dem 402 m hohen Stoppelberg, welcher sich bequem in 1 ½ Std. erreichen lässt, einen Besuch. Vom Oberthor biegt man der Turnhalle gegenüber in den engen Weg ein, welcher durch schwarze Doppelpunkte bezeichnet unter dem neuen Kirchhof hin allmählich zur Höhe führt. Das erste kleine Seitenthal links, nachdem man zwei unter der schonen Aussicht gelegene Häuser passiert hat, ist der erwähnte Kaisersgrund, in welchem zwei mit lateinischer Inschrift versehene Denk- steine an die Verbrennung des Tile Kolup erinnern. Oberbalb zweier links gelegenen Fichtenstücke, dem sogenannten Sturz- kopf, welche mit guten Pfäden durchzogen sind und von Spaziergängern gern aufgesucht werden, überschreitet die Strasse an einem Reservoir der Wasserleitung vorbei die alte,