104 Wetzlar, Kalsmunt.
Burg, welche in die Zeit der Hohenstaufen fallen dürfte, in die- selbe hereingezogen wurde. Dass die Feste in einer Fehde oder einem Kriege gebrochen worden sei, wird nirgends angegeben: ihr jetziger Zustand ist daher wohl weniger auf gewaltsame Weise herbeigeführt, als dadurch, dass man, nachdem sie als Wohnsitz aufgegeben war, den Einwirkungen von Wind und Wetter freies Spiel liess, wohl gar durch Abfuhr von Baumaterial zur Zer- störung mithalf.
Auch die Sage umrankt mit ihren Gebilden diese Trümmer einer versunkenen Zeit. Nach ihr soll Tuile Kolup, der sich in den achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts am Niederrhein als Gegenkaiser Rudolfs von Habsburg aufstellte, auf dem Kalsmunt seine letzte Zuflucht gefunden haben. Doch auch dieses roman- tische Bild hält vor der geschichtlichen Beleuchtung nicht Farbe. Nach Angabe unserer Chronisten fand dieser Schwindler, der sich für den aus dem heiligen Lande zurückgekehrten Hohenstaufen Friedrich II. ausgab, und dem der Wunderglaube und die chiliasti- schen Erwartungen der Zeit zu gute kamen, besonders Anhang bei dem deutschen Bürgertum, welches Rudolf wegen seiner anspruchs- vollen Steuerforderungen nicht günstig gesinnt war. Er suchte daher Aufnahme in Wetzlar, dem damals hochgeachteten Gliede des Wetlerauer Städtebundes. Als aber Rudolf, der anfangs der Bewegung keine Bedeutung beigemessen, mit Heeresmacht heranzog, wurde den Bürgern doch bange, und sie lieferten ihren Schützling aus, ohne es auf einen Kampf ankommen zu lassen. Der Habs- burger machte der kurzen Herrlichkeit des Pseudokaisers dadurch ein Ende, dass er ihn nach der gewöhnlichen Annahme— doch sind auch hierüber die Angaben verschieden— im Kaisersgrund, einem in unmittelbarer Nähe der Stadt gelegenen Seitenthälchen am Engen Wege, welches von diesem Vorgang den Namen behielt, verbrennen liess.
Steigt man auf der Wendeltreppe des Turms, zu dem man in der Stadt sich den Schlüssel beim Kaufmann A. Wala- schmidt am Schillerplate oder im Sehützengarten geben lässt (10 Pfg.), zur Hlattform, so geniesst man einen Rundblick, wie sich wenige in gleicher Mannigfaltigkeit in den deutschen Gauen finden dürften. Eine vom Taunusklub TWetzlar ange- brachte Tafel erleichtert die Orientierung.
Im NO. senkt sich dem Beschauer gerade entgegen die Stadt vom Berge zum Thal hinunter, ein Meer von grauen Schieferdächern, hier und da von anspruchsvolleren Farben unterbrochen, beherrscht von der roten Sandsteinmasse des Doms. Ueber ihr ragt auf der Hochebene der einsame Turm der Garbenheimer Warte und schaut nach den beiden Burgen, dem VFetzberg und Gleiberg, welche die das Lahnthal umsäu-


