Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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94 Wetazlar, Beschreibung der Stadt.

brennerei, Anlagen, welche die Ergebnisse des heimischen Berg- baues verarbeiten. In der Stadt selbst beschäftigen mehrere Gerbereien, Handschuhfabriken, eine bedeutende Haarfabrik hunderte von fleissigen Händen, besonders haben die oplischen Institute von Leitz und Gebrüder Seibert, denen sich neuer- dings ein drittes von Hensold angereiht hat, einen Weltruf erworben. Immerhin aber leidet Stadt und Kreis unter dem Umstand, dass sie zu einer Provinz gehören, mit der sie weder äusserlich durch gemeinsame Grenzen, noch innerlich durch Lebens- und Interessengemeinschaft verbunden sind.

Der Bahnhof sowie der grösste Teil der industriellen Anlagen liegen auf dem Gebiet des Dorfes Niedergirmes; die Stadt selbst birgt sich noch hinter dem Lahnberge, welcher vorerst nur einen Blick auf den Dom und die alte Burgruine gestattet. Erst wenn man nach etwa 5 Min. im Schatten einer stattlichen Allee auf gutem Cementpflaster der Kreisstrasse folgend den Schifffahrts- kanal überschritten hat, welcher die bei der Stadt liegenden Wehre umgeht und wenig weiter abwärts eine Schleuse bildet, gelangt man auf städtischen Grund. Hier teilen sich die Strassen. Wer die geradeaus zu den Vorstädten führende Kreisstrasse weitergeht, hat unmittelbar, nachdem er das in der Strassen- gabelung stehende Hotel Luy passiert hat, ein prächtiges, wohl abgerundetes Bild vor sich. Zur Rechten sieht man

durch Pappeln, Weiden und Obst- bäume die Häuser der Forstadt hin-

durchscheinen,

während der gegen das Thal steil ab- fallende Kals- munt mit dem ein- samen Bergfried A den Blick begrenzt. Wet⸗lar. Zur Linken senken sich die Abhänge des Lahnberges zu den nördlichen An- fängen der Stadt nieder, hier und da einen Hausgiebel aus dem dichten Buschwerk hervorblicken lassend. Den Mittel- punkt aber bildet der altehrwürdige Dom. der auf dem Vorsprunge des zur Lahn sich senkenden Plateaus gelegen, beherrschend in die weite Thallandschaft hinausschaut. Um ihn lagern mit ihren hohen, schieferbekleideten Dächern die Häuser der Mittelstadt, während die Oberstadt hinter seinem breiten Rücken sich birgt. Zu seinen Füssen, gleichsam unter