Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
Seite
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78 Pfahlgraben.

Bad Nauheim auf dem Winterstein und folgt ihm auf der Nord- seite bis in die Nähe von Langenschwalbach. Hier ändert er die bisherige westliche Richtung in nordwestliche, überschreitet die Lahn bei Bad Ems und stösst endlich zwischen Rhein- brohl und Hönningen auf den Rhein.

Dieses ganze gewaltige Werk geht aber keineswegs auf eine Anlage und auf eine Zeit zurück. Zunächst unterschieden die Römer den limes Raeticus, die Strecke von der Donau bis Lorch umfassend, und den limes kransrhenanus, worunter sie die Strecke von Lorch zum Rheine begriffen. Während der erstere vorwiegend eine gemauerte dammartige Anlage mit vorgezogenem Graben aufweist, vom Volksmunde auf weite Strecken die Teufelsmauer genannt, besteht die rheinische Grenzwehr vorwiegend aus Erdwall und Graben, entsprechend dem Abschnitt, welcher sich uns auf dem Wege von Arnsburg nach Garbenteich bot. Weil aber der ganze Befestigungszug so viel als möglich die Höhenlinien einhielt, der Graben also nur in den seltensten Fällen mit Wasser zu füllen war, so waren in demselben auf der ganzen Strecke Palissaden ein- serammt, welche ihm im Volksmunde den Namen Pfahlgraben erwarben. Zahlreiche Ortschaften, Efahldorf bei Kipſenberg, Pahlheim bei Ellwangen, Pfahlbronn bei Lorch, Pfedelbach bei Oehringen, Pohlgons bei Butzbach, sowie die Pohlschlucht bei Ems führen von ihm ihre Namen. Der neueren Forschung ist es zudem gelungen, die Spuren der Palissadenreste fast auf der sanzen Linie nachzuweisen. Aber auch die rheinische Strecke war keineswegs ein Werk aus einem Gusse. Denn abgesehen davon, dass dieselbe eine innere Parallellinie aufweist, die von Cannstatt bis Gunzenheim bei Wimpfen den Neckar innehält, von da auf den das Mümmlingthal auf der rechten Seite begleitenden Odenwaldhéhen entlang zieht, bis sie zwischen Miltenberg und Aschaffenburg bei Wörth an den Main stösst, wies auch der Hauptzug namentlich in den sog. Begleithügeln, welche meist innerhalb, zuweilen aber auch ausserhalb desselben lagen oder von ihm qurchschnitten wurden, niemals aber eine konstante Lage zu demselben behaupteten, eine Abnormität auf, die man aus der Anlage des Ganzen nicht zu erklären vermochte. Es ist das Verdienst der Mitglieder der Reichs-Limes-Kommission für das Grossherzogtum Hessen, W. Soldan und C. Anthes, die Bedeutung der Begleithügel aufgeklärt zu haben, als sie 1895 die Odenwaldlinie einer genauen Untersuchung unterzogen, der sie im folgenden Jahre die Wetterauer Strecke von der Capersburg bis Arnsburg folgen liessen, und dadurch zu Ergeb- nissen gelangten, die für die weitere Limesforschung grund- legend geworden sind. Sie stellten fest, dass diese Hügel von Rundgräben umgebene, tennenartig hergerichtete Plattformen