Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Pfahlgraben. 77

herschend die Gegend. Der eine der Türme ist besteigbar und gewährt von seiner Plattform eine weite Rundschau.(Näheres s. in dem erwähnten Führer von Röschen(Verlag v. E. Roth Giessen). Von Münzenberg führt die Strasse über Rockenberg und Griedel nach Butzbach(s. unten).

Der zweite Weg vom Thore der Arnsburg auf führt rechts und folgt ebenfalls den roten Strichen.

Auf einem anmutigen Pfade(Jägerpfad), der nach einer Waldwanderung von etwa ¾ Std. auf die Strasse von Hof Güll her stösst, führen dieselben in 1 ½ Std. nach der Halte- stelle der Oberhessischen Bahn Garbenteich, durch welche man, um zur Station zu gelangen, hindurchgehen muss.

Da, wo die Strasse von Dorf Güll nach Garbenteich aus dem Walde tritt, quert sie den Pfahlgraben, der zu beiden Seiten als flacher, buschbewachsener Wall mit davorherziehen- dem Graben deutlich erkennbar ist. Da wir denselben noch öfter auf unserer Wanderung treffen werden, so mag an dieser Stelle einiges zur Orientierung darüber gesagt werden, zumal das Interesse daran seit Einsetzung der Reichs-Limeskommission und dem Wiederaufbau der Saalburg in den Vordergrund ge- drängt ist. Nachdem Kaiser Tiberius den Germanicus nach seinem dritten mit sehr zweifelhaftem Erfolge unternommenen Feldzuge gegen die Germanen abberufen hatte, beschränkten sich die Römer Germanien gegenüber auf die Verteidigung der Rhein- und Donaulinie, hielten aber zur Sicherung derselben einen Teil des rechtsrheinischen Landes, das sog. Dekumaten- land, besetzt, welches sie mit Militärstrassen durchzogen und durch eine Grenzwehr gegen plötzliche Anfälle des kriegs- lustigen Volkes schützten. Diese Grenze ist der Limes, welcher sich in einer Länge von etwa 550 km von der Donau zum Eheine zog und durch zahlreiche, durchschnittlich in einer Entfernung von 13 km dicht hinter der Verteidigungslinie gelegene Kastelle gedeckt wurde, wie wir ein solches in der oben beschriebenen Altenburg bereits kennen gelernt haben. Er beginnt oberhalb der Altmühlmündung bei Kelheim und zieht sich in flachem nach N. ausgebuchtetem Bogen gegen W. bis in die Nähe des Städtchens Lorch im Remsthale. Hier wendet er sich in scharfem Winkel nach N., läuft ziemlich parallel dem Neckar und zieht sich durch den östlichen Oden- wald, bis er bei Miltenberg den Main erreicht. Auf längere Strecke wird er durch den Fluss ersetzt, bis zum Dorfe Gross-Krotzenburg oberhalb Hanau, von wo er nach N. laufend die Wetterau umspannt, um, nachdem er bei Grüningen in derselben seinen nördlichsten Punkt erreicht hat, nach SW. biegend am Ostabhange des Taunus entlang dem Hauptkamm des Gebirges zuzustreben. Er gewinnt denselben südlich von