Pfahlgraben. 79
waren, auf denen sich, wie die aufgefundenen Pfostenlöcher bewiesen, Türme von starkem Holzwerk erhoben. Auf der ganzen Linie dieser Hügel aber legten sie ein stets in dem gleichen Abstand von 30 m vor demselben herlaufendes Gräbchen auf, in dem sie die Spuren von eingelassenen Pfählen in jeweiligem Abstand von 1,40 m nachwiesen. Wahr- scheinlich waren diese Pfähle durch Flechtwerk verbunden und dienten, wenn sie auch nicht imstande waren, einen An- sturm auf die Dauer zu hemmen, doch dazu, den Feind für den Augenblick aufzuhalten. Dadurch gewann der Posten bei dem Turme Zeit, durch Entzündung eines Fanals auf dem- selben der zurückgelegenen Station ein Zeichen zu geben, welches von dort her um so eher gesehen werden musste, als sich diese Anlagen so weit als möglich auf der Wasserscheide halten.
Wir haben in dieser Grenzsperre die älteste Limesanlage zu erblicken, welche in die Zeit des Kaisers Domitian fällt und im Anschluss an den Chattenkrieg des Jahres 83 auf- geführt wurde. Zwei spätere, durchaus selbständige und stärkere Züge, von denen der erste in die Zeit des Antoninus Pius, der zweite in die erste Hälfte des dritten Jahrhunderts fällt, waren in dem Bereiche der Wecterau weiter gegen das Feindesland vorgeschoben. Der letzte, zugleich der äusserste und festeste, ist—. derjenige, dessen Spuren wir am häu- figsten begegnen. Bei seiner Anlage
scheinen nicht
lediglich militä- rische Gesichts- punkte massge- bend gewesen zu sein; soweit es sich mit ihnen vertrug, zog man das gute und nutzbare Land——
auf der Germanen- Rutzbach(alter Markt).
seite in den Be-
reich der Befestigung, und noch jetzt unterscheidet der Bauer am Pfahlgraben in bezug auf Bonität sehr genau zwischen dem Ackerboden auf römischer und germanischer Seite. Selbstver- ständlich liegt es nicht im Rahmen des Büchleins, weiter auf dieses interessante Thema einzugehen. Wer sich genauer unterrichten will, den verweise ich auf den schon erwähnten Führer von A. Rüschen,„Wanderung durch die nördliche Wetterau,


